Alarm: Immer mehr Gemeinden ohne Nahversorgung
- Greißler ums Eck wird immer seltener
- Steiermark hat am meisten Orte ohne Kleingeschäfte
Der Greißler ums Eck wird immer seltener. 2001 waren in Österreich 299 Ortschaften ohne Nahversorgung. 1997 waren es 237. In allen Bundesländern hat die Zahl der "unterversorgten" Gemeinden zugenommen. Die meisten Orte ohne Nahversorger hat die Steiermark. Laut RegioPlan Consulting gab es 2001 in 140 steirischen Kommunen mit insgesamt rund 115.000 Einwohnern kein Lebensmittelgeschäft mehr.
IHS-Experte Christian Helmenstein führt das Greißler-Sterben vor allem auf das Wachstum der großen Supermarktketten zurück. Wie stark die Marktmacht der Handelsketten in Österreich in den vergangenen Jahren zugenommen habe, sei nicht zuletzt daran ablesbar, dass es für die Gegenmacht der Markenartikelhersteller "keine empirische Evidenz mehr gibt".
Eine weitere Folge der aktuellen Veränderungen im Handel ist nach Ansicht des IHS-Experten die zunehmende "Markenarmut pro Gebietseinheit". Der technologische Strukturwandel "verstellt den Blick" auf die sinkende Angebotsvielfalt, stellt Helmenstein fest. Das Internet gebe den Usern die Illusion, eigentlich alles haben zu können. Zukünftige Generationen könnten der jetzigen vorwerfen, nicht ausreichend für die Erhaltung der Heterogenität der Hersteller gesorgt zu haben.
Die konkreten Auswirkungen von Einkaufszentren hat Helmenstein am Beispiel des neuen EKZ Seiersberg bei Graz untersucht. Das Shopping- Center wird der steirischen Landeshauptstadt bis zu 150 Mio. Euro an Kaufkraft wegnehmen. Bei den kleineren umliegenden Gemeinden sei zwar der Kaufkraftabfluss in Summe nicht so groß wie aus Graz, allerdings droht einigen die völlige Zerstörung der noch bestehenden Nahversorgung.
(apa)
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