Montag, 1. September 2003

Tschechische Lehrer streiken für höhere Löhne

  • Bisher größter Protest der Pädagogen in der Geschichte des Landes

Die Lehrer der tschechischen staatlichen Schulen sind am heutigen Montag in einen eintägigen Streik für höhere Löhne getreten. Dem bisher größten Protest der Pädagogen in der Geschichte des Landes, für den die Gewerkschaften den ersten Tag des neuen Schuljahres ausgewählt haben, hat sich etwa die Hälfte der Grundschulen und Mittelschulen und auch ein kleinerer Teil der Kindergärten angeschlossen. Nach Angaben der Gewerkschaften streiken etwa 70.000 Lehrer in 3.000 von insgesamt 5.700 Schuleinrichtungen.

Bei den Streiks geht es um die 13. und 14. Monatsgehälter. Bisher wurden diese in 50-prozentiger Höhe ausgezahlt, ab nächstem Jahr sollen die Pädagogen nurmehr 20 Prozent davon erhalten. Die Lehrer behaupten darüber hinaus, ihre Arbeit werde im Vergleich zu anderen Berufen wie der Richter, Ärzte oder Polizisten seit langem finanziell unterschätzt, was dazu führe, dass an vielen Schulen Pensionisten oder unqualifizierte Leute arbeiteten. Der durchschnittliche Monatslohn der tschechischen Lehrer liegt bei etwa 15.000 Kronen (461 Euro).

Mit den Lehrern streikten am heutigen Montag in Tschechien auch die Mitarbeiter der Finanzämter, der Sozialbehörden und der öffentlichen Bibliotheken. Diese beschränkten jedoch ihren Protest auf eine Stunde - von 8.00 bis 9.00 Uhr.

Die Koalitionsregierung des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Vladimir Spidla ist damit ausgerechnet in einer Zeit unter Druck geraten, in der sie eine Reform der hoch verschuldeten öffentlichen Finanzen durchsetzen will. Im September wird das Abgeordnetenhaus in entscheidenden Lesungen über das bisher umfangreichste Sparpaket in der Geschichte Tschechiens entscheiden. (apa, red)

1.9.2003 10:55