Freitag, 5. September 2003

EM-Qualifikation: Deutsche in Island nur 0:0

  • Nach Match rastete Teamchef Völler im TV völlig aus!
  • Italien-Wales 4:0 - Inzaghi-Hattrick binnen elf Minuten!

Was für ein Eklat! Nach dem schwachen 0:0 der Deutschen in Island zuckte Teamchef Rudi Völler vor laufenden TV-Kameras aus! Er bezeichnete die Analysen der Reporter als "Mist" und "Scheißdreck". Deutschlands Konkurrent Schottland setzte sich in Glasgow gegen die Färöer mit einiger Mühe 3:1 durch und wahrte damit die Chance auf ein Ticket für Portugal. Ansonsten agierten die Favoriten im Großen und Ganzen recht souverän.

Nach dem äußerst schwachen Auftritt in Island hat Deutschland die angestrebte Rückkehr an die Tabellenspitze in Gruppe fünf verpasst, die Chancen auf das Ticket nach Portugal sind aber weiter intakt. Beim sogar noch schmeichelhaften 0:0 gegen die "Wikinger" enttäuschte der Vize-Weltmeister am Samstag erneut vor den letzten Heimspielen am Mittwoch gegen Schottland sowie am 11. Oktober gegen Spitzenreiter Island.

Völler rastet im TV aus
DFB-Teamchef Rudi Völler explodierte Samstagabend wie noch nie. Sein Wutausbruch nach der Nullnummer in der EM-Qualifikation in Island macht das Duell der Deutschen mit Schottland zur Zerreißprobe für den Vize-Weltmeister. Mit seinem spontanen Rundumschlag gegen eine angeblich überzogene Erwartungshaltung schuf der DFB-Teamchef vor dem Mittwoch-Spiel ein Reizklima.

"So ein Scheißdreck"
Die kritische Spielbewertung des ARD-Duos Gerhard Delling und Günter Netzer öffnete bei Völler wenige Minuten nach dem Abpfiff alle Ventile. "Wenn ich den Delling und sein Gerede vom Tiefpunkt höre. Eine Sauerei! So ein Scheißdreck!" Angesichts der Kritik sprach er von "Mist" oder "Käse", den er sich nicht mehr bieten lasse. Auch Netzer bekam sein Fett ab, der habe in seiner aktiven Zeit auch "einen Scheiß gespielt", da habe man doch überhaupt nicht hingehen können.

Seinen Interview-Partner Waldemar Hartmann attackierte der echauffierte Völler ebenfalls, warf ihm vor, dass er drei Weizenbier getrunken habe und nur deswegen so locker sei. Später nahm Völler diesen Vorwurf wieder zurück, beharrte aber auf seinen anderen Aussagen.

Die verbale Abrechnung gipfelte in einer Aussage, die als indirekte Rücktrittsdrohung aufgefasst worden war. "Ich bin nicht so wie der Erich Ribbeck oder der Berti Vogts, die jahrelang an ihrem Stuhl festgeklebt haben, egal was Journalisten geschrieben oder im Fernsehen gesagt haben. Das ist mir das Ding nicht wert", polterte Völler. Später stellte er klar, dass dies nicht in dieser Form gemeint war.

Tschechien gewinnt in Weißrussland
Tschechien verteidigte im Fernduell mit den Niederlanden in der Österreich-Gruppe drei die Tabellenführung. Die Brückner-Elf siegte in Minsk gegen Weißrussland mit 3:1 und ist damit bereits seit 16 Spielen ungeschlagen.

Inzaghi-Hattrick für Italien
Italien kann nach einem 4:0 in Mailand gegen Wales wieder aus eigener Kraft die Fahrkarte nach Portugal lösen. Held des Abends war Milan-Torjäger Filippo Inzaghi, der mit einem lupenreinen Hattrick innerhalb von elf Minuten seiner Mannschaft in Gruppe neun den Weg zur Tabellenspitze ebnete.

England siegt mit Mühe in Mazedonien
England hatte bei seinem 2:1-Sieg gegen Mazedonien einige Mühe. Nach dem 0:1-Rückstand durch Hristow (28.) entschieden Jungstar Rooney (53.) und Kapitän Beckham aus einem verwandelten Elfer (63.) die Partie noch für die Eriksson-Elf. Die Türkei kam in Liechtenstein zu einem 3:0-Erfolg.

Frankreich souverän
Frankreich besiegte Zypern zuhause klar mit 5:0. Auch Griechenland mit einem 1:0-Sieg in Armenien einen wichtigen Schritt Richtung Portugal gemacht. Durch den Erfolg in Jerewan und dem gleichzeitigen 0:0 der Ukraine gegen Nordirland führt die Rehagel-Elf die Gruppe sechs an.

Schon am Nachmittag hatte es Favoritensiege in der Qualifikation gegeben. In Gruppe acht bleiben die Kroaten dank eines 3:0 auswärts gegen Andorra auf EM-Kurs. In Gruppe vier behauptete Schweden mit einem 5:0-Heimsieg gegen San Marino die Tabellenführung.

(apa/red)

5.9.2003 14:07