Mittwoch, 3. September 2003

Klare Sache: Niederlande hat im Legionärsduell die Nase vorn

  • Glieder und Schopp gegen 16 Auslandskicker der "Oranjes"
  • PLUS: Ihre Meinung ist gefragt - soll Krankl Teamchef bleiben?

16:2 für die Niederlande! Österreichs Fans sind in keinem Albtraum gelandet, dies ist nicht das Ergebnis des EM-Qualifikationsspiels am Samstag in Rotterdam (ab 20.30 Uhr live auf news.at). Vielmehr zeigt sich im Verhältnis der Legionäre beider Länder der momentane Stellenwert den Spieler der "Oranjes" sowie rot-weiß-rote Kicker momentan im Ausland geniesen.

Während Teamchef Hans Krankl nur Brescia-Mittelfeldmotor Markus Schopp und Neo-Schalke-Stürmer Edi Glieder in seinen 20-Mann-Kader einberufen hat, nominierte Bondscoach Dick Advocaat gleich 16 "Fremdarbeiter" in sein 22-köpfiges Aufgebot (Manchester-United-Star Ruud van Nistelrooy ist gegen Österreich aber gesperrt). Dabei sah alles noch ganz anders aus, als sich Österreich und die Niederlande 1978 bei der WM-Endrunde in Argentinien gegenüberstanden.

1978 hielt Rot-weiß-rot noch dagegen
Das Legionärs-Verhältnis war damals mit 6:5 für die "Oranjes" wesentlich knapper als das Endergebnis von 5:1 für den späteren Vize-Weltmeister. Im ÖFB-Kader standen mit Josef Hickersberger (Fortuna Düsseldorf), Edi Krieger (FC Brügge), Roland Hattenberger (VfB Stuttgart), Kurt Jara (MSV Dusiburg) und Willi Kreuz (Feyenoord) fünf Spieler, die in Deutschland, Belgien und den Niederlanden ihr Geld verdienten.

Für ihre Team-Kollegen wie Hans Krankl, Walter Schachner, Bruno Pezzey oder Herbert Prohaska war Argentinien zudem Zwischenstation auf den Weg nach Fußball-Europa.

Happel vertraute auf sechs Legionäre
Bei den Niederländern hatte mit Ernst Happel damals ausgerechnet ein Österreicher das Sagen auf der Betreuerbank und ihm standen mit Johan Neeskens (Barcelona), Arend "Arie" Haan, Rob Rensenbrink (beide Anderlecht), Johannes Boskamp (RWD Molenbeek), Nicolaas Rep (Bastia) und Willem Laurens J. Suurbier (Schalke 04) sechs Legionäre zur Verfügung.

Nur wenige bleiben in Holland
25 Jahre später sind nur noch sechs Spieler aus dem Oranje-Teamkader in der eigenen Liga aktiv. Bei PSV Eindhoven stellen Torhüter Ronald Waterreus, Verteidiger Andre Ooijer und die beiden Mittelfeldspieler Mark van Bommel sowie Arjen Robben ihren Mann. Dazu kommen die beiden Ajax-Jungstars Wesley Sneijder und Rafael van der Vaart. Kärntens UEFA-Cup-Gegner Feyenoord etwa stellt aktuell keinen einzigen Teamspieler.

Europa sieht orange
Dafür tummeln sich die Stars in England (Stamm-Keeper Edwin van der Sar bei Fulham, Boudewijn Zenden in Middlesbrough, Paul Bosvelt bei Manchester City, Chelsea-Edelreservist Jimmy Floyd Hasselbaink und Ruud van Nistelrooy bei Manchester United), Italien (Abwehrriese Jaap Stam bei Lazio, Edgar Davids bei Juventus und Andy van der Meijde bei Inter Mailand), der Türkei (Frank de Boer/Galatasaray und Pierre van Hooijdonk/Fenerbahce) und Deutschland (der noch torlose Bayern-Star Roy Makaay).

Auffanglager FC Barcelona
Gleich fünf niederländische Team-Spieler alleine befehligt der niederländische Barcelona-Trainer Frank Rijkaard: Michael Reiziger, Giovanni van Bronckhorst, Marc Overmars, Philip Cocu und Patrick Kluivert. Zu Zeiten von Louis van Gaal war "Barca" sogar bereits als "FC Holland" betitelt worden. (apa/red)

3.9.2003 11:19