Donnerstag, 4. September 2003

Berlusconi beleidigt Richter, Staatschef verteidigt Richter...

  • "Geistesgestört und anthropologisch vom Rest der Menschheit verschieden"

Es war Anfang September, als Berlusconi zur Wort-Attacke startete. Er nannte Italiens Richter in einem Interview mit dem britischen Wochenmagazin "The Spectator" pauschal "geistesgestört". Berlusconi ging sogar soweit, den Richterstand insgesamt als "anthropologisch vom Rest der menschlichen Rasse verschieden" zu klassifizieren.

Die Justiz war empört! Sogar Staatschef Ciampi schaltete sich ein.

Der Präsident verteidigte die italienischen Richter: "Die Italiener vertrauen dem Richterstand als Institution, die die Justiz zum Schutz ihrer Rechte und zum Respekt der Legalität verwaltet", so Ciampi. Auch Justizminister Castelli war um Kalmierung bemüht, die Opposition sieht Berlusconi in geistiger Nähe von Diktatoren.

Berlusconis Interview hatte Wellen der Entrüstung ausgelöst. Nachdem Berlusconi den siebenmaligen Ministerpräsidenten Andreotti gegen die Vorwürfe der Mafia-Zugehörigkeit verteidigt hatte, fügte er hinzu, dass die Richter in Italien "geistesgestört" seien.

"Erstens, weil sie politisch beeinflusst sind, zweitens, weil sie sowieso geistesgestört sind. Man muss geistesgestört sein, um diesen Beruf auszuüben. Wenn Richter diesen Job haben, ist es, weil sie anthropologisch vom Rest der menschlichen Rasse verschieden sind. Daher arbeite ich, um alles zu reformieren", rechtfertigte der Regierungschef seinen Kurs. (apa)

4.9.2003 14:35