Montag, 1. September 2003

Friaul: Nach Unwettern jetzt Kältewelle

  • Aufatmen in Kärnten: Menschen kehren in ihre Häuser zurück!
  • PLUS: Die BILDER vom Chaos in Italien und in Kärnten!

Die Lage in der Provinz Udine bleibt gespannt. Im Norden der Provinz regnet es weiter, neue Erdrutsche wurden gemeldet. Die Aufräumarbeiten gestalten sich schwierig. Die Zivilschutzbehörden brachten mehrere Pensionisten sowie 17 Touristen, darunter neun Kinder, per Hubschrauber in Sicherheit, die seit drei Tagen in den Bergen des Kanaltals abgeschnitten waren. Die Bundesstraße ist weiterhin gesperrt, die Autobahn nur einspurig befahrbar. Auch die Züge werden umgeleitet. In Lignano wurden mehrere Campingplätze durch entwurzelte Bäume verwüstet!

Nach den schweren Unwettern am Wochenende in der Provinz Udine wird der Friaul nun von einer Kältewelle heimgesucht. Eine Front aus Nordeuropa sorgte dafür, dass Montag um 5.00 Uhr in Tarvis nur fünf Grad gemessen wurden. In Pordenone waren es elf, in Udine 13 Grad. In Triest blies Nordwind mit einer Spitzengeschwindigkeit von 75 Kilometern pro Stunde. Auch in anderen Teilen Norditaliens fielen die Temperaturen. Am Splügenpass wurden minus fünf Grad registriert, im Wintersportort Livigno minus ein Grad.

Die Rettungsmannschaften in Ugovizza nahe der Grenze zu Kärnten suchten am Montag weiterhin nach der Leiche der 52-jährigen Frau, die in der Nacht auf Sonntag in ihrer Garage von einer Gerölllawine erfasst worden war. Die schlechten Wetterbedingungen erschwerten die Räumung des schwer beschädigten Hauses. In dem von den Unwettern am stärksten betroffenen Ort war am Freitag auch ein 51-jähriger Mann ums Leben gekommen.

Experten warnten vor weiteren Erdrutschkatastrophen im Friaul. "Die Wälder und die Berge müssen geschützt werden, Bäche und Flüssen dürfen nicht mehr sich selbst überlassen werden", meinte der Chef des Instituts für hydrogeologischen Schutz, Lucio Ubertini, laut italienischen Medien. Die Provinz Udine sei ein Opfer der zunehmenden "Tropikalisierung" des Klimas.

400 Gebäude wurden schwer beschädigt, 200 Personen konnten nach wie vor nicht in ihre Wohnungen zurückkehren. Einige von ihnen verbrachten in einer Kaserne in Tarvis die Nacht auf Montag, andere fanden bei Verwandten Unterkunft. 200 Freiwillige des regionalen Zivilschutzes und Feuerwehrleute, darunter mehrere Kärntner, waren am Montag im Einsatz, um die Straßen der am stärksten betroffenen Gemeinden von Schlamm und Steinen zu befreien.

Zahlreiche Straßen gesperrt
Die Verkehrslage war weiterhin schwierig. Die Bundesstraße 13 Pontebbana blieb gesperrt. Nach Angaben der Behörden wird es vermutlich noch Monate dauern, bis die Straße wiedergeöffnet werden kann, da sie von mehreren Murenabgängen schwer beschädigt wurde.

Die Autobahn A 23 im Kanaltal war nach wie vor in beiden Richtungen nur einspurig befahrbar. Durch den Abgang einer Mure musste auf der Autobahn ein Gegenverkehrsbereich bei Pontebba eingerichtet werden. Auch die Bahnlinie Udine-Tarvis-Villach war unterbrochen. Seit Montag 17 Uhr ist der Bahnweg wieder offen.

Unwetter trafen nicht nur die Provinz Udine, sondern die ganze Region Friaul Julisch Venetien. Eine Windhose suchte die Badeortschaft Lignano heim, mehrere Campingplätze wurden dabei durch entwurzelte Bäume verwüstet. Ein heftiger Hagelsturm wurde im Raum von Pordenone gemeldet. (apa)

1.9.2003 09:53