Sonntag, 7. September 2003

Werte-Debatte: Küberl sieht Nachholbedarf bei Familien

  • Existenzsicherndes Kindergeld im Generationenvertrag
  • Caritas-Chef fordert längere Fristen für Asyl-Erstabklärung

Caritas-Präsident Franz Küberl fordert das Kindergeld auf ein Existenz sicherndes Niveau anzuheben. In der Fernseh-"Pressestunde" am Sonntag nannte er zwei Bereiche, in denen zu mehr Kinderfreundlichkeit beigetragen werden müsste. Zum einen gehe es um die "persönlichen Beziehungen" jedes einzelnen gegenüber den Nachwachsenden. Zum anderen eben um die vom Staat vorgegebenen Rahmenbedingungen. Und hier gebe es "Nachholbedarf", neben der Nachbesserung beim Kindergeld auch bei den Betreuungsplätzen und den Chancen für Frauen am Arbeitsmarkt.

Zur Generationendebatte generell meinte Küberl, es sei "sehr vernünftig", über die "Grundpfeiler der Gesellschaft" zu reden. Es müsse aber um mehr gehen als um die Frage, ob es genug Kinder und Zuwanderer gebe. Kern der Frage müsse die "Zukunftsfähigkeit Österreichs" mit "riesigen Vorhaben" in den Bereichen Bildung, Integration und Pflege sein. Die aktuelle Diskussion greife zu kurz: "Es wird nicht ausreichen, wenn wir uns zwischen Verzicht und Genuss bewegen."

Küberl nannte auch das jetzt überlegte Recht auf Teilzeitarbeit als sinnvolle Maßnahme in richtung mehr Kinderfreundlchkeit. Mehr in die Pflicht nehmen will er auch die Männer: Diese sollten mehr Familienarbeit leisten und die Väterkarenz mehr nützen.

Längere Fristen für Asyl-Erstabklärung
Küberl glaubt nicht, dass - wie im Entwurf für ein neues Asylgesetz vorgesehen - 48 bis 72 Stunden für die Erstabklärung in Asylverfahren ausreichen. Besser wäre, dafür sechs bis acht Wochen Zeit zu geben, in dieser Zeit aber dann auch wirklich für alle Asylwerber entscheiden zu können. Der Caritas-Präsident betonte, ebenfalls für eine Beschleunigung der Verfahren einzutreten. Dabei müssten aber auch Fragen der Qualität und der Rechtsstandards berücksichtigt werden.

Einheitliche Standards forderte der Caritas-Präsident für die Betreuung von Flüchtlingen, ob diese durch die Caritas, das deutsche Unternehmen European Homecar oder den Bund selbst durchgeführt werde. Auf alle Fälle verbessert werden müsste die Situation im Lager Traiskirchen, forderte Küberl. Das Lager sei ein "Auslaufmodell". Nötig wären ein entsprechender Umbau und Adaptierungen: "Das weiß in Wirklichkeit auch der Innenminister." (APA/red)

7.9.2003 13:28