Freitag, 5. September 2003

Haider an Schüssel: "Hochmut kommt vor dem Fall"

  • Aber gegen vorzeitige Auflösung der Koalition
  • Haider bereut Abgabe der FP-Führung

Der Kärntner Landeshauptmann Haider hat sich trotz aller Meinungsverschiedenheiten zwischen FPÖ und ÖVP in Sachen Steuerreform, Abfangjäger und Voest-Privatisierung gegen eine vorzeitige Auflösung der Koalition ausgesprochen. Er sehe in der Fortsetzung der Koalition "eine Notwendigkeit, um Rot-Grün zu verhindern". Einen "Sklavendienst" der FPÖ werde es aber nicht geben, so Haider. Sollte die ÖVP so weitermachen, wie bisher, so werde sich das Sprichwort 'Hochmut kommt vor dem Fall' bewahrheiten, meinte Haider.

Zu einer möglichen Übernahme des Bundesparteivorsitzes sagte er: "Ich bin bereit, aber nicht bereit, Druck auf Herbert Haupt auszuüben." "Wenn es in der Regierung so weiter geht wie bisher, wird sich das Sprichwort 'Hochmut kommt vor dem Fall' bewahrheiten", warnte Haider. Es würden nämlich einmal mit Sicherheit Entscheidungen anstehen, wo die ÖVP auf die Unterstützung ihres Partner FPÖ angewiesen sein werde, doch dann "wird Haupt plötzlich keinen Spielraum mehr haben". Die derzeitige Vorgangsweise von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel sei daher sehr "kurzsichtig" und diene lediglich dazu, "sein Ego zu befriedigen und Haupt zu ruinieren".

Die ÖVP sei offenbar immer weniger bereit, dem Vizekanzler und den freiheitlichen Ministern einen guten Partner abzugeben. Haider: "Obwohl man Herbert Haupt immer als einen verlässlichen Partner bezeichnet, verweigert man ihm den nötigen politischen Spielraum und zeigt ihm stattdessen die kalte Schulter."

Haider bereut Abgabe der Partei-Führung
"Mir tut es leid, dass ich im Jahr 2000 die Parteiführung abgegeben habe", sagte Haider. Damals habe er aber geglaubt, dass "die Partei genug gefestigt ist und die Führungskräfte genügend Standfestigkeit haben, um gegenüber den Vereinnahmungsversuchen der ÖVP widerstandsfähig zu bleiben".

Trotz aller Bedenken sollte die schwarz-blaue Koalition aber fortgesetzt werden, "denn sonst hätten wir mit Rot-Grün auch bei uns deutsche Verhältnisse", sagte Haider: "Ein Schröder ist genug für Europa!" In Österreich würde es im Falle von Rot-Grün zu keiner Steuerreform, sondern "unter dem Vorwand der Ökologisierung zu einer massiven Mehrbelastung" kommen. (APA/red)

5.9.2003 10:44