Dienstag, 2. September 2003

Trotz Kritik: Haupt hält Haider eisern die Treue

  • "Tandem, bei dem beide treten und beide lenken müssen"
  • Ziel für Landtagswahlen: Vor den Grünen bleiben

Die Führung der FPÖ ist ein Tandem, bestehend aus Jörg Haider und Herbert Haupt. So erklärte FP-Chef Haupt am Dienstag im "ORF-Sommergespräch" die Führungsstruktur der Freiheitlichen. Obwohl der Vizekanzler regelmäßig Kritik von Haider hinnehmen muss, verliert er kein böses Wort gegenüber dem Kärntner Landeshauptmann. Bezüglich der kommenden Landtagswahlen in Oberösterreich und Tirol formulierte Haupt seine persönliche "Schmerzgrenze": Diese läge jeweils bei den Ergebnissen der Nationalratswahlen vom Vorjahr.

In Oberösterreich kam die FPÖ im Vorjahr auf 10,4 Prozent, in Tirol auf 9,97 Prozent. Sein Ziel ist, "die Freiheitlichen vor den Grünen zu stabilisieren": "Am Wahltag möchte ich vor den Grünen sein, österreichweit."

Keine Kritik an Haider
Die "Interpretation", dass in der FPÖ Jörg Haider eher Opposition spielt, während Haupt die Regierungslinie vertritt, lies der Bundesparteichef "nicht einen Moment" gelten. Stattdessen lobte er wortreich den Kärntner Landeshauptmann: "Jörg Haider ist seit mehr als zwei Jahrzehnten der wirkliche Anwalt der Interessen der fleißigen Bürger in diesem Lande..." Er sei "der erfolgreichste Politiker", bringe wirkungsvoll in der Öffentlichkeit die Wünsche der FPÖ auf den Tisch. Er, Haupt, und Justizminister Dieter Böhmdorfer seien hingegen "die guten Verhandler", um die Wünsche erfolgreich umzusetzen. Haupt sprach von einem "Tandem", bei dem "beide treten und beide lenken müssen" - und wo "auch der Dahintersitzende eine Lenkgabel in der Hand hat". Seit 32 Jahren würden er und Haider gemeinsam Politik machen, "einmal war Dr. Haider vorne, einmal war ich vorne". Dabei habe man auch unterschiedliche Positionen - aber die seien für ihn "akzeptabel", "sonst kann es keine wahre Freundschaft sein", sagte er, angesprochen auf die mitunter recht scharfen Äußerungen Haiders in seine Richtung. "Mir sind Menschen lieber, die mir klar ins Gesicht aufrecht sagen, wenn ihnen etwas nicht passt."

Haupt für schnellere Asylverfahren
In Sachen Asyl sagte Haupt: "Wir wollen für jene, die zu Recht in den Schutz kommen, einen Schutz wie wir Freiheitlichen uns das immer für Konventionsflüchtlinge vorgestellt haben. Wir erwarten aber für jene, die das Entgegenkommen der Österreicher, Menschen Asyl zu gewähren, ausnützen, indem sie sich hier verbrecherisch betätigen, eine größere Härte." Außerdem müssten die Asylverfahren endlich beschleunigt werden.

Verhandlungen über ÖBB-Reform
Haupt unterstrich die Bereitschaft von Infrastrukturminister Hubert Gorbach (F), über die ÖBB-Reform mit der Gewerkschaft und den Personalvertretern zu verhandeln. Gorbach habe dies auch in seinen Ministerratsvortrag "expressis verbis hineinformuliert". Allerdings bestehe Handlungsbedarf - und das Ziel sei auch die umstrittene Personalgesellschaft.

Diese lehnt der Chef der Eisenbahnergewerkschaft, Wilhelm Haberzettl, aber ab. Und er hat erklärt, keine weiteren Gespräche mit ÖVP-Staatssekretär Helmut Kukacka führen zu wollen. Aber Haberzettl habe gesagt, dass er in Verhandlungen eintreten werde, "wenn ihm nicht ein Begutachtungstext vor die Nase geknallt wird. Das haben wir nicht vor", so Haupt. "Wir haben Verhandlungen vor. Wir werden sehen, wie weit sich die Gewerkschaft am Verhandlungstisch bewegt."

(apa/red)

2.9.2003 22:47