Montag, 1. September 2003

Türkischer Außenminister Gül zu Besuch in Wien

  • Arbeitsgespräch mit Ferrero-Waldner über Wirtschaftsbeziehungen und EU-Bemühungen

Die beidseitig angestrebte Verbesserung der Wirtschaftsbeziehungen und die EU-Bemühungen der Regierung in Ankara standen im Mittelpunkt des Arbeitsgesprächs, das Außenministerin Ferrero-Waldner und ihr türkischer Amtskollege Gül am Dienstag in Wien führten. Er habe seine Amtskollegin "über unsere Schritte hin zu einer EU-Annäherung informiert", erklärte Gül nach der Unterredung.

Über die zur Erfüllung der Kopenhagener EU-Kriterien von seiner Regierung beschlossenen Reformen sagte er: "Es ist sehr wichtig, diese Gesetze zu beschließen, aber wichtig ist auch die Umsetzung. Wir werden uns bemühen."

"Seit 50 Jahren Türkei und EU
"Die Türkei und die EU hängen seit 50 Jahren zusammen", argumentierte Gül. In Kopenhagen hätten die EU-Partner beschlossen, dass Beitrittsverhandlungen mit der Türkei geführt werden, "wenn wir diese Kriterien erfüllen".

Und er fügte hinzu: "Wir hoffen nicht, dass die EU Nein sagt, wenn wir die Kopenhagener Kriterien erfüllt haben." Die Türkei werde in der Union "eine Bereicherung" sein, und zwar für beide Seiten, gab sich der Außenminister überzeugt.

Entscheidung Ende 2004
Auf die Frage, ob Österreich Druck machen werde, dass der Türkei ein Datum für eine Aufnahme von Beitrittsverhandlungen in der EU genannt werde, sagte Ferrero-Waldner, die Entscheidung werde Ende 2004 nach dem Vorliegen des Fortschrittsberichtes fallen. Es gebe keinen Grund, diesen Zeitplan zu ändern. "Es wird auf die Umsetzung ankommen", fügte sie hinzu.

Im bilateralen Bereich betonte Ferrero-Waldner, sie habe mit ihrem Amtskollegen über die Sektoren gesprochen, "wo wir mehr machen wollen". Das Handelsvolumen zwischen Österreich und der Türkei betrage etwa im Vergleich zu Kroatien "nur die Hälfte". Ein großes Potenzial gebe es auf dem Energiesektor, auch im Tourismus sei ein weiterer Ausbau wünschenswert. (apa)

1.9.2003 09:01