Mittwoch, 27. August 2003

Gesundheit: Retten Sie Ihr Herz!

  • Alarmierende Statistik: Die Zahl der Herzerkrankungen nimmt zu
  • Warum auch immer mehr Frauen einen Herzinfarkt erleiden

Wien als Herz-Mekka: 40.000 Kardiologen und Chirurgen machen Wien zur Herz-Hauptstadt.

Die Statistik ist beklemmend und Besorgnis erregend. „Noch immer sind mehr als 50 Prozent der Todesfälle in Österreich auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen“, ärgert sich Ferdinand Waldenberger, 45, Herzchirurg und Buchautor aus Wien. Das müsste so nicht sein, klagt er und greift zu einem drastischen Vergleich: „Im Bereich der Todesrate liegen wir auf Ostblockniveau, die Zahl der Herzerkrankungen hat wieder zugenommen.“ Mit ein wenig Vernunft und Disziplin wäre das leicht zu ändern, glaubt
der Chirurg (Wien-Lainz), der bisher 3.000 Herzoperationen durchgeführt hat, darunter auch solche am schlagenden Herzen: „Die Patienten müssten nur besser informiert sein, früher zu uns kommen.“

Waldenberger hat deshalb ein Buch geschrieben: ein „Handbuch für Herzbesitzer“ (Verlag Ueberreuter). Auf 320 Seiten erklärt der Spezialist, was wir über unseren wichtigsten Muskel wissen müssen: Wie funktioniert das Herz? Welche Herzkrankheiten gibt es, welche sind angeboren, welche erworben? Was passiert bei Herzoperationen, wie erkenne ich Herzkrankheiten, was können wir selbst zur Herzgesundheit beitragen, und warum wissen Frauen zu wenig über ihr Herz? „All diese Fragen versuche ich zu beantworten“, sagt der Autor. „Wenn mein Buch dazu beiträgt, dass sich die Menschen früher untersuchen lassen, habe ich mein Ziel erreicht.“

Denn Österreichs Herzchirurgen und Kardiologen zählen zur Weltspitze, die Kliniken sind modernst ausgerüstet, das Organspendergesetz ist eines der liberalsten überhaupt, die Gesundheitsversorgung scheint perfekt. In kaum einem anderen medizinischen Fachbereich gab es so rasante Fortschritte und unglaubliche Entwicklungen wie in der Herzchirurgie. Bypassoperationen sind längst Routine, Transplantationen ebenso, selbst Eingriffe am schlagenden Herzen sind inzwischen keine Besonderheit mehr. „Heute können Operationen durchgeführt werden und sind schon alltäglich geworden“, umreißt Anita Rieder vom Institut für Sozialmedizin der Uni Wien die Problematik, „die vor kurzem noch als undenkbar galten. Doch ohne Mithilfe der Patienten oder noch besser der noch gesunden Menschen wird eine Verbesserung der Situation nicht möglich sein.“

Die Haupt-Killer. Die Bereitschaft der ÖsterreicherInnen, sich selbst zu erkennen, ihr Herz in den Griff zu kriegen, mündige Patienten zu werden, ist trotz jahrzehntelanger Aufklärungsarbeit noch immer verkümmert. „Viele meiner Patienten können für ihre Herzfehler nichts“, sagt Professor Ernst Wolner, Chef der Herzabteilung im Wiener AKH. „Ein wesentlicher Prozentsatz meiner Patienten müsste aber nicht auf unserem Operationstisch liegen“, führt er weiter aus, „hätten sie früher in sich hineingehört.“

Nur rund zehn Prozent der OstösterreicherInnen gehen regelmäßig zur Gesundenuntersuchung. In Tirol, Vorarlberg und Salzburg liegt der Wert immerhin bei 20 Prozent. „Dabei würde es reichen“, sagt Wolner, „würden die Leute ihren Blutdruck messen und ihr Blut untersuchen lassen.“

Zusätzlich ernähren wir uns falsch, betreiben zu wenig Sport, auch hat der „Herz-Hauptkiller“ Rauchen extrem stark zugenommen. Jeder zweite Erwachsene in Österreich greift regelmäßig zur Zigarette, jeder dritte Jugendliche. Damit liegen wir mit Serbien, Rumänien und Griechenland auf einer Höhe. „Ändern wir unsere Lebensweise nicht“, befürchtet Ferdinand Waldenberger, „werden auch neue Techniken wie Genetik und Mikrobiologie nur wenig bringen.“ Der Patient muss zum „Koproduzenten“ seiner Gesundheit werden.

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27.8.2003 16:55