Mittwoch, 27. August 2003

Haider macht mobil

  • Wie Rumpold jetzt „die Marke“ Jörg Haider aufpolieren soll.
  • Wie Haider sich zum Skandal-Aufdecker aufschwingen will.

Knittelfeld-Offensive: Ein Jahr nach dem Putsch sitzen „Knittelfelder“ an allen FP-Schalthebeln. Wann sie Haupt stürzen.

Haider-Offensive: Mit Gernot Rumpold kehrt Haiders allererstes „Buberl“ zurück ins Team. Wie er Haider fürs Comeback „stylen“ will.

Drei Jahre lang hatte er kein Wort mit Jörg Haider gewechselt – davor war er ihm siebzehn Jahre lang nicht von der Seite gewichen.

Die vollkommene Abnabelung, die Gernot Rumpold, der Urvater von Haiders „Buberlpartie“, vom „Alten“ vollzogen hatte, war wohl das signifikanteste Symptom dafür, wie tief
der Riss in der FPÖ seit ihrem Regierungseintritt im Jahr 2000 gegangen war. Eine Spaltung, die vor exakt einem Jahr in Knittelfeld zum Aufstand der Haiderianer gegen die Regierungsriege geführt – und im Totalabsturz der Partei bei den folgenden Wahlen gemündet hatte. Ein Absturz, dessen Tiefpunkt bis dato noch nicht absehbar ist – laut aktueller NEWS-Gallup-Umfrage grundelt die FPÖ derzeit bei nur noch acht Prozent. Ein Verlust, der übrigens wieder zugunsten von Schüssels ÖVP geht.

Eine Krise, die Jörg Haider derzeit seine bittersten Stunden beschert. Eine Krise aber auch, die offenbar zum Kitt für
die Beziehung zweier „Lebensmenschen“ wird: Vorigen Montag, am 18. August, war jedenfalls Schluss mit dem Schweigen. Gernot Rumpold schiebt ein handbeschriebenes Blatt in sein Faxgerät. Nur eine Seite. Von „Kernkompetenzen“ ist die Rede. Und von einer „historischen Chance“, die die Debatte um die ÖIAG böte. Und von der Möglichkeit, eventuell darüber zu sprechen.

Geheimtreffen Haider-Rumpold. Dienstag, 19. August, 18 Uhr, Kärntner Landhaus. Die gut zwei Monate währende „Vorarbeit“ der FP-Anwältin Huberta Gheneff hat gewirkt: Gernot Rumpold trifft wieder mit Jörg Haider zusammen. Fünf Stunden später steht fest:
Das einst unzertrennliche Kern-Duo der FPÖ macht wieder gemeinsame Sache. Zwei Männer haben offensichtlich erkannt, dass man ohne einander weniger wert ist, erinnern sich an längst vergangene „glorreiche Zeiten“ – und flüchten sich in sie, versuchen, sie wieder aufleben zu lassen.
Rumpold ist ab sofort wieder der „persönliche Berater“ Jörg Haiders. Haiders wohlgemerkt – und nicht der FPÖ. Rumpold
soll ausschließlich der „Marke Haider“ wieder zu ihren einstigen Höhenflügen verhelfen. Gelingt das, ergibt sich der Rest von alleine.

Zeit wird dabei offenbar keine verloren. Auch deshalb, weil Rumpold seit Ende der Vorwoche geschäftlich im Iran unterwegs ist. Schon am Donnerstagvormittag brütet Haiders engste Truppe in Rumpolds Büro am Wiener Opernring an neuen Haider-Strategien. Pressesprecher Karlheinz Petritz ist dabei, der Geschäftsführer der FP-Akademie Herbert Kickl und Film-Profi Wolfgang Sendlhofer, der Haider (aber auch den Eurofighter) stets ins rechte Bild gerückt hatte. Am Nachmittag stößt auch der Kärntner FP-Obmann Martin Strutz dazu. Die alten Streitereien um Geld und offene Rechnungen scheinen damit bereinigt.

„Plötzlich ist wieder Geld da.“ So viel sickerte durch: Die Kärntner FP soll jene rund 111.000 Euro begleichen, die Rumpold vor Monaten eingeklagt hatte. Und Werber Rumpold bekommt einen neuen Vertrag als „persönlicher Berater“ Haiders, der noch diese Woche unterschrieben werden soll. Unausgesprochener Nachsatz: Im Fall, dass Haider wieder Bundesobmann wird, dürfte es auch eine schnelle Einigung über jene Euro-Million geben, wegen der Rumpold zuletzt noch die Bundespartei vor den Kadi gezerrt hat. Ein Partei-Insider staunt: „Plötzlich spielt Geld offensichtlich wieder keine Rolle mehr.“

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27.8.2003 16:32