Sonntag, 31. August 2003

Medikamente: WTO macht Weg für Generika-Import in Entwicklungsländer frei

  • Im Kampf gegen Aids und Malaria
  • Hilfsorganisationen nennen Regelung unpraktikabel

Entwicklungsländer dürfen in ihrem Kampf gegen Krankheiten wie Aids, Malaria und Tuberkulose künftig billigere Nachahmer-Medikamente (Generika) importieren, wenn sie diese selbst nicht herstellen können. Die Welthandelsorganisation (WTO) stimmte am Samstag in Genf einer entsprechenden Lockerung des Patentschutzes zu.

WTO-Generaldirektor Supachai Panitchpakdi sprach von einer "historischen Einigung". Hilfsorganisationen zeigten sich jedoch enttäuscht und nannten die Regelung unpraktikabel.

Bisher durften die ärmsten Länder derartige Medikamente in der Regel nicht einführen, sondern nur selbst herstellen. Die meisten Entwicklungsländer haben jedoch keine eigene Pharma-Industrie und waren somit von den billigeren Arzneimitteln ausgeschlossen. Importieren durften sie nur die teuren Medikamente der Patentinhaber - oder über Ausnahmegenehmigungen Generika aus Schwellenländern wie Indien oder Brasilien.

Nach der Abstimmung in dem 146 Mitglieder umfassenden WTO-General-Rat erklärte WTO-Generaldirektor Supachai Panitchpakdi, die Regelung könne vor allem ärmeren Ländern bei der Bekämpfung von Krankheiten zugute kommen. Auch die Europäische Union begrüßte den WTO-Beschluss.

Die Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und Oxfam kritisierten jedoch, der Kompromiss sei an juristische, politische und wirtschaftliche Hürden gekoppelt. Trotz der neuen Regelung sei der Erwerb von Generika für die Entwicklungsländer nur schwer möglich.
(apa,red)

31.8.2003 13:00