Freitag, 29. August 2003

tele.ring: Gewinne für den Sparefroh

  • Jahrelang war tele.ring ein Pleitekandidat. Plötzlich steht der Handy-Betreiber hochweiß da und bringt sogar T-Mobile und One unter Druck

Zwei Begriffe verwendet, so schreibt das FORMAT in seiner aktuellen Ausgabe, tele.ring-Chef Hubertus J. Hofkirchner besonders gerne und oft: "Aggressivität" und "Esoterik". Der forcierte Einsatz von Ersterer und die strikte Ablehnung von Zweiterer sind für ihn die Pfeiler, auf denen der Erfolg des Handybetreibers tele.ring aufgebaut werden muss.

Aggressiv ist der frühere Erste-Bank-Manager ohne Frage. Die neue Werbekampagne - Slogan: "Weg mit dem Speck" - holte die tele.ring erstmals aus ihrem langen Schattendasein heraus. Die Zahl der Mobilfunk-Kunden stieg heuer um beachtliche 60 Prozent auf 440.000, immerhin 71 Prozent davon sind Vertragskunden.

Von einer baldigen Pleite ist keine Rede mehr. Stattdessen steht tele.ring plötzlich auf einer recht soliden finanziellen Basis.

Nach einer bewegten Geschichte gehört die Firma dem US-Konzern Western Wireless. Die Halbjahreszahlen, die der 40-jährige Hofkirchner gerade präsentierte, geben dem Eigentümer Anlass zu Freude. Bei 142 Millionen Euro Umsatz gelang tele.ring zum allgemeinen Erstaunen in den ersten sechs Monaten 2003 ein positives Ebitda (Ergebnis vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern) von 6,3 Millionen Euro.

"Unsere Message war früher nicht transparent genug", sagt Hofkirchner. Das gelang erst den bunten, die Mitbewerber symbolisierenden Speck-Männern - Stichwort: sieben Cent in alle Netze. In Zeiten, wo Geiz geil ist, laufen vor allem Privatkunden in Scharen zu tele.ring über.

"Gebraucht haben wir dafür ein Drittel des Werbebudgets der A1-Mobilkom."

UMTS?
Geht in ein paar Jahren die Luft aus? Wie lange der Run anhält, bleibt abzuwarten. Ein Mobilkom-Manager meint, tele.ring werde noch ein paar Jahre ordentlich verdienen: "Aber sobald sich UMTS durchsetzt, werden die verkaufen müssen.

Was Hofkirchner vehement bestreitet: "Sollte UMTS je ein Geschäft werden, kriegen wir die Mittel, um reinzugehen." Vorläufig ist UMTS für ihn das Paradebeispiel des "Esoterischen", das kein Mensch braucht: "Die Leute kaufen Handys zum Telefonieren." In Anspielung auf eine TV-Kampagne des Konkurrenten "3" ätzt er: "Die Live-Übertragung von Geburten zu Vätern mit Autopanne wird die Massen nicht für UMTS begeistern."

Alles über tele.ring lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des FORMAT

29.8.2003 16:08