Montag, 25. August 2003

Voest-Privatisierung: ÖIAG will Anteile über Börse verkaufen

  • Börsenverkauf angeblich schon am 18. September
  • Heftige Kritik von Opposition, Gewerkschaft & AK

Der Privatisierungsausschuss des ÖIAG-Aufsichtsrats hat die weitere Privatisierung der voestalpine AG über einen breit gestreuten Börsegang (Secondary Public Offering) vorgeschlagen. Angeblich soll das 34,7-Prozent-Paket, das die ÖIAG an voestalpine hält, bereits am 18. September auf den Markt gebracht werden. Die letzte Entscheidung liegt beim ÖIAG-Aufsichtsrat am 5. September.

Beratende Juristen hätten der ÖIAG empfohlen, weder über Details der Transaktion noch über den Zeitplan derzeit Auskünfte zu geben. Gemäß EU-Recht sei ein Börsegang "völlig klar", wenn die Aktien im Bookbuilding-Verfahren angeboten werden, sagte Michaelis.

Zeitpunkt bestimmt "der Markt"
Die ÖIAG überlege eine möglichst breite Streuung und möchte das Paket "möglichst rasch" auf den Markt bringen. Ob das noch, wie kolportiert wurde, vor den oberösterreichischen Landtagswahlen (am 28. September) der Fall sein könnte, ließ Michaelis ebenso wie dessen Vorstandskollege Rainer Wieltsch unbeantwortet. Den Zeitpunkt bestimme letztlich nur "der Markt", wobei auch eine Stärkung des Finanzplatzes Wien ein Ziel sei.

Eine Festlegung wurde nur hinsichtlich der federführenden Investmentbanken bekannt gegeben. JP Morgan werde gemeinsam mit der Erste Bank "Bookrunner" bei der Transaktion sein. Mit im Syndikat sei als financial advisor für voestalpine UBS Warburg.

Vernünftige Streuung
Wieltsch kommentierte die Entscheidung so, dass er glaube, dass mit einem breiten Börsegang eine vernünftige Streuung der Aktionärsstruktur bei voestalpine erreicht werde. "Man kann nicht alles gleichzeitig erfüllen", sagte Wieltsch zu den Auflagen der Bundesregierung vom 24. Juni, wonach bei der Privatisierung der voestalpine ein Erhalt der Konzernzentrale und der Forschungs- und Entwicklungskompetenz in Österreich sowie eine inländisch dominierte Kernaktionärsschicht berücksichtigt werden müssten. Ein Verkauf an einen strategischen Investor wurde gleichzeitig ausgeschlossen.

Zuvor schrieb der ursprüngliche Privatisierungsauftrag vom 1. April 2003 das Ziel eines möglichst hohen Verkaufserlöses vor. Bei den meisten befragten Fachleuten sei ein breiter Börsegang unter diesen Bedingungen als "bestes Vehikel" erkannt worden, sagte Michaelis. Die ÖIAG habe im Vorfeld auch eine Stellungnahme der EU-Wettbewerbehörde eingeholt.
(apa, red)

25.8.2003 18:30