Doping-Verdacht: Kelli White leidet an Narkolepsie und beteuert Unschuld
- Doppel-Weltmeisterin droht Verlust der beiden Goldmedaillen
- Aufputschmittel Modafinil im Urin der Doppelweltmeisterin gefunden
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Der große Pressekonferenzraum des Stade de France platzte aus allen Nähten, als Kelli White, die nach ihren Titelgewinnen über 100 und 200 m bei den IX. Leichtathletik-Weltmeisterschaften unter Dopingverdacht steht, wiederholt ihre Unschuld beteuerte. "Ich habe niemals irgendwelche verbotenen Mittel genommen, um meine Leistung zu steigern", betonte die 26-jährige US-Athletin. "Ich bin unschuldig!"
Zu Beginn las die Kalifornierin ein schriftliches Statement vor, indem sie erklärte, warum sie aus eigenen Stücken auf ein Antreten mit der Staffel über 4 x 100 m verzichtet hatte. Sie sei "sehr traurig", dass sie diese Entscheidung getroffen habe, doch sie wollte keine "Belastung" für ihre Team-Kolleginnen sein. Danach gab sie bekannt, dass sie an "Narkolepsie" leide und deshalb schon "seit einigen Monaten" ein Medikament nehme, das Modafinil, also jene Substanz, die zum positiven Dopingbefund geführt habe, enthalte: "Dieses Medikament hat mir nur geholfen, ein normales Leben zu führen".
Ihr österreichischer Manager Robert Wagner erklärte, dass Narkolepsie "eine Tagesschlafkrankheit" sei, "die in Kellis Familie verbreitet ist und an der auch ihre Mutter und ihre Tante leiden".
Medikament sorgt für Wirbel
"Ich hatte keine Ahnung, dass mein Medikament etwas enthält, das zu den verbotenen Substanzen zählt", sagte White. "Ich habe dieses Mittel auch bei meinen Starts in den USA, in Oslo und London eingenommen. Und alle meine Tests, die von anerkannten IOC-Labors analysiert worden sind, haben kein positives Ergebnis gebracht. Es hat also bisher nie ein Problem damit gegeben."
Laut dem Schweden Arne Ljungqvist, dem ersten Vizepräsidenten des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF), gibt es zwei Möglichkeiten für das Zustandekommen dieser negativen Testresultate: "Entweder wurden die Proben nicht im Hinblick auf diese Substanz analysiert, oder diese Substanz war nicht enthalten und die Dopingprobe deshalb negativ."
White will Medaillen behalten
White sah nicht nur auf Grund der negativ verlaufenen Tests keinen Grund, der IAAF zu melden, dass sie ein Medikament mit Modafinil einnimmt, sondern auch deshalb, "weil dieser Wirkstoff nicht namentlich auf der Verbotsliste des Weltverbandes steht" Nachsatz: "Bis vor kurzem war das eine wunderschöne WM für mich, und ich bin zuversichtlich, dass sich das alles aufklären wird", hofft die US-Meisterin über 100 und 200 m, dass sie ihre beiden Goldmedaillen behalten darf.
Das betreffende Medikament nimmt die Afroamerikanerin übrigens nicht täglich ein. "Ich nehme es nur dann, wenn ich es brauche", sagte die WM-Dritte über 200 m und Staffel-Weltmeisterin von Edmonton 2001, die "eine große Überraschung" erlebte, als sie die Sportzeitung "L'Equipe" durchblätterte. "Ich habe erst aus der Zeitung davon erfahren", bestritt White, dass sie bereits vor ihrem Sieg über 200 m vom positiven Befund gewusst habe.
Aufputschmittel gegen Narkolepsie
Erst "in diesem Jahr" habe sie von ihrem Hausarzt erfahren, dass sie an Narkolepsie leide. "Ich war immer sehr müde, konnte in der Nacht schlecht oder gar nicht schlafen, hatte dafür unter tags vermehrt das Bedürfnis zu schlafen und daneben auch Probleme mit dem Erinnerungsvermögen sowie der Konzentration", zählte die Wagner-Athletin die Symptome auf, die durch Narkolepsie bei ihr hervorgerufen worden seien. "Dieses Medikament hat nur bewirkt, dass ich wieder normal wurde."
"Ich bin unschuldig, und ich weiß das. Ich weiß auch, dass ich hart für diese beiden Goldmedaillen gearbeitet habe, und ich werde nun hart dafür arbeiten, sie zu behalten", kündigte White an, ehe sie zum Abschluss der Pressekonferenz gefragt wurde, warum sie bei der Dopingkontrolle nach dem 100-m-Finale nicht der IAAF mitgeteilt habe, dass sie das Modafinil enthaltende Medikament am Morgen vor dem 100-m-Finale eingenommen habe. Ihre Antwort sorgte ungewollt für einige Lacher unter den Anwesenden: "Ich nehme es ja nicht jeden Tag. Und es ist hart, sich zu erinnern, was man den ganzen Tag einnimmt, denn es ist so viel." (apa/red)










