27.8.2003 13:43

Ex-Kenianer Shaheen düpiert Kenia im Hindernis-Finale

  • Neo-Katari redet nicht mehr mit seinem Bruder: "Sind jetzt zwei verschiedene Landsleute"
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Saif Saaeed Shaheen kannte keine Verwandten mehr. Nein, sagte der vom Emirat Katar eingekaufte Ex-Kenianer nach seinem WM-Triumph in Paris über 3.000 m Hindernis, er habe noch nicht mit seinem älteren Bruder gesprochen. Der fünfplatzierte Abraham Cherono habe ihm auch nicht gratuliert. Und: "Wir sind jetzt zwei verschiedene Landsleute." Der Goldmedaillen-Gewinner sagte dies in einem so festen Ton, dass es im Pressekonferenzraum des Stade de France ganz still wurde.

Saif Saaeed Shaheen, der vor zwei Wochen noch Stephen Cherono hieß, hatte seine ehemaligen Kollegen am Dienstagabend in einem packenden Lauf düpiert. Olympiasieger Reuben Kosgei war ausgestiegen, Ezekiel Kemboi gewann nur Silber. Erstmals seit 1991 gab es kein Gold für Kenia, das bei Olympia - abgesehen von den Boykott-Spielen 1976 und 1980 - gar schon seit 1968 dominiert.

Halbbruder hat Verständnis
"Doch, es ist eine Medaille für Kenia", widersprach Kemboi. "Er ist in Kenia geboren, in Kenia aufgewachsen und lebt in Kenia." Abraham Cherono kommentierte später die ganze Wechseldiskussion mit dem Satz: "Mein Bruder hat einen Fehler gemacht." Der entthronte Titelverteidiger Kosgei hingegen hat Verständnis für seinen Halbbruder. "Bei uns in Kenia gibt es so viele Hindernisläufer. Da ist es einfacher, Weltmeister zu werden, als sich für die WM zu qualifizieren."

Katar lässt sich den Titel einiges kosten
Shaheen spaltete mit seinem Wechsel nicht nur seine Familie, sondern auch die gesamte ostafrikanische Lauf-Nation. "50 Prozent der Menschen sind mit meiner Entscheidung glücklich, 50 nicht", glaubt der 20-Jährige. Nach eigenen Angaben bekommt er vom Scheichtum Katar 1000 US-Dollar monatlich - auch nach seiner Karriere. Ein hoher kenianischer Funktionär hatte jedoch kürzlich ausgeplaudert, dass das Vertragswerk insgesamt eine Million Dollar umfassen soll. Der Verband ist dabei sicherlich nicht leer ausgegangen.

Als Katholik nicht bekreuzigt
Die Nationalhymne seines neuen Arbeitgebers kannte Shaheen bisher jedenfalls nicht, "und arabisch spreche ich auch nicht". Um Fernsehzuschauer in Katar nicht zu brüskieren, verzichtete der gläubige Katholik sogar darauf, sich im Ziel zu bekreuzigen.

(apa/red)

27.8.2003 13:43
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