25.8.2003 15:19

Echt böse Attacke: Steffi Graf gar nicht verletzt, sondern gedopt?

  • Grün-Politiker zweifelt Badeunfall der 800-m-Läuferin an
  • 800m-Finale: Mutola holte Goldmedaille (siehe Kasten rechts)

Zum Pech für Steffi Graf bei den den IX. Leichtathletik-Weltmeisterschaften kommen jetzt auch noch böse unterschwellige Verdächtigungen. Ein verhängnisvoller "Haushaltsunfall" hat die Kärntnerin aus dem Medaillenrennen über 800 m geworfen. Der 30-Jährigen entglitt am Morgen vor dem großen Finale, in dem sie ihre bereits achte Medaille bei einem Großereignis holen wollte, im Badezimmer eine Mineralwasserflasche. Die Folge dieses Missgeschicks waren Schnittverletzungen am rechten Fuß, die einen Start der Olympiazweiten von Sydney am Abend unmöglich machen. Ein Grün-Politiker "spekuliert", Graf sei ja vielleicht gar nicht verletzt sondern gedopt?!?

Zynischer Grünen-Sprecher
"Erschüttert zeigt sich der Sportsprecher der Grünen, Dieter Brosz, über die unglaubliche Pechserie in der österreichischen Leichtathletik", lautete der Einleitungssatz der Aussendung des Sportsprechers, der dann selbst mit folgenden Worten zitiert wird: "Zunächst eine positive Dopingprobe bei Elmar Lichtenegger, aufgrund von verunreinigten Nahrungsergänzungsmitteln, dann stürzende Hindernisläufer, Aufwärmverletzungen, die ein Antreten verunmöglichen und jetzt ein Unfall mit einer Mineralwasserflasche. Schon in der Vergangenheit konnte bei internationalen Großereignissen beobachtet werden, dass positive Dopingproben zu einer rätselhaften Anhäufung von Krankheiten, Verletzungen und Unfällen bei MannschaftskollegInnen geführt haben. Eine Unfallversicherung für die gesamte Mannschaft nach positiven Dopingproben wäre empfehlenswert."

"Das ist ein Unsinn und eine ganz unfaire Sache. So etwas kann nur ein Außenstehender sagen, denn das zeugt nicht gerade von hoher Sachkenntnis", meinte ÖLV-Boss Gloggnitzer am Rande der WM in Frankreich. "Man muss diese Sachen trennen. Das Eine hat mit dem Anderen überhaupt nichts zu tun. Außerdem ist 800-m-Vizeweltmeisterin Stephanie Graf am Freitag gleich nach ihrer Ankunft in Paris kontrolliert worden. Da versucht wohl jemand, politisches Kleingeld zu machen."

Freiwillige Tests?
Und auch der mit dem GAK zum Auswärtsspiel nach Amsterdam mitgereiste Sportstaatssekretär Karl Schweitzer (F) stellte sich hinter die WM-Athleten. "Jetzt ist kein Zynismus angebracht", sagte der Burgenländer und gab Österreichs 800-m-Hallen-Vizeweltmeisterin Stephanie Graf und ihren Teamkolleginnen einen Tipp, um die unbewiesenen Vorwürfe im Keim zu ersticken. "Ich würde den Athleten empfehlen, freiwillig Kontrollen zu machen, um allfällig entstehende Gerüchte aus der Welt zu schaffen."

Graf fix & fertig
"Ich zittere am ganzen Körper und bin einfach leer", meinte Graf mit zittriger Stimme nach der Rückkehr aus dem Pariser Krankenhaus Saint Johns, in dem eine drei Zentimeter lange Wunde am rechten Rist mit zwei Stichen genäht und eine weitere an der Seite geklebt werden musste. "Ich komme mit diesem Fuß in keine Spikes hinein, kann also das Finale nicht bestreiten", erklärte "Europas Leichtathletin des Jahres 2001", die bereits im Vorjahr im Vorfeld der EM in München durch eine Tumoroperation im Gesäß-Bereich gestoppt worden war.

Badezimmer voll Blut
Diesmal war es jedoch nicht eine verhängnisvolle medizinische Diagnose, die im schlimmsten Fall sogar das Karriereende bzw. Krebs hätte bedeuten können, sondern ein Missgeschick, das Österreichs Laufgräfin stoppte. "Das Ganze ist in der Früh im Zimmer von der Mama passiert", berichtete Graf unter Tränen, wie es zu dem Unfall gekommen war. "Ich bin ins Badezimmer gegangen, und dort ist mir dann die Flasche runtergefallen. Ich bin zwar sofort auf die Seite gesprungen, aber trotzdem in die Scherben gekommen. Ich bin total erschrocken, das ganze Badezimmer war voller Blut."

Schnelle Hilfe im Spital
In Begleitung ihrer ebenfalls schwer geschockten Mutter Rita und mit einem Handtuch um den blutenden Fuß gewickelt, machte sich die Hallen-Europameisterin von Gent 2000 sofort auf den Weg zur Rezeption, die eine Ambulanz verständigte. "Danach ist alles relativ schnell gegangen. Auch im Spital wurde mir schnell geholfen, denn sie wussten, dass ich eine Sportlerin bin", betonte die Völkermarkterin.

Saison vorzeitig beendet
Olympia- und Verbands-Arzt Alfred Engel kam ebenfalls auf schnellstem Wege in die Klinik nach und war bei der Röntgenuntersuchung, bei der keine weiteren Verletzungen diagnostiziert wurden, bereits vor Ort. "Ich wollte nicht, dass die Wunde genäht wird, weil ich wusste, dass ich dann nicht laufen kann", erzählte Graf. "Doch die Ärzte haben mir gesagt, dass das unbedingt gemacht werden muss." Damit zerplatzten die Medaillenträume der ÖLV-Paradeathletin, die nun zwölf Tage bis zur Nahtentfernung pausieren und damit die Saison vorzeitig beenden muss.

(apa)

25.8.2003 15:19
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