Notruf-Protokolle vom 11. September veröffentlicht
- Kritik von Angehörigen: Protokolle zuerst für Medien freigegeben
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Kurz vor dem zweiten Jahrestag der Anschläge vom 11. September haben die Behörden 2.000 Seiten Protokolle mit erschütternden Notrufen von Opfern und Helfern aus dem World Trade Center veröffentlicht. Die Veröffentlichung unterschiedlich aufgenommen: Während sich einige Aufschluss über das Geschehen erhofften, befürchteten andere, alte Wunden würden wieder aufgerissen.
Die umstrittene Veröffentlichung am Donnerstag geht auf einen Rechtsstreit der "New York Times" mit der Hafenbehörde zurück, die als Eignerin der Zwillingstürme auch für deren Sicherheit zuständig war. Die Zeitung hatte in der vergangenen Woche vor einem Gericht mit ihrer Forderung nach Informationsfreiheit Recht bekommen, so dass die Hafenbehörde die Dokumente veröffentlichen musste.
In die lange Schlange von Journalisten, die am Donnerstag für die Protokolle bei der Hafenbehörde anstanden, mischten sich auch Menschen, die bei den Anschlägen ihre Angehörigen verloren hatten. "Ich weiß immer noch nicht, wie an dem Tag alles abgelaufen ist", sagte Sally Regenhard, die ihren Sohn verlor. Sie hoffe, dass die Protokolle "mir helfen herauszufinden, was ihm und so vielen anderen passiert ist". Nikki Stern, deren Ehemann bei dem Anschlag ums Leben kam, äußerte sich skeptisch. "Es wird sicherlich eine Menge alter Wunden aufreißen und ich bin nicht sicher, ob es uns auch viel neue Informationen bringen wird", sagte Stern.
Der Chef der Polizistenvereinigung der Hafenbehörde, Gus Danes, bezeichnete die Art und Weise der Veröffentlichung als besonders schmerzhaft für die Angehörigen der Opfer. Die Protokolle seien für die Medien freigegeben worden, "noch bevor viele Familien überhaupt die Möglichkeit hatten, sie zu sehen - wir glauben, dass das völlig unfair ist", sagte er. (apa)
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