Freitag, 29. August 2003

Witwe von Waffenexperte Kelly: Mein Mann hat sich "im Stich gelassen und verraten" gefühlt!

  • Janice Kelly und Tochter Rachel vor Ermittlungsrichter Hutton: Vorgesetzte versicherten, Namen nicht zu nennen

Bei ihrer Aussage vor dem Untersuchungsausschuss hat die Witwe des britischen Regierungsberaters David Kelly dem Verteidigungsministerium Illoyalität vorgeworfen. Janice Kelly und Tochter Rachel sagen heute vor dem Untersuchungsausschuss zum Tod des britischen Waffenexperten aus. Ermittlungsrichter Brian Hutton vernimmt die beiden Frauen per Videoübertragung.

Ihr Mann habe sich vom Ministerium "verraten" gefühlt, als dieses seinen Namen an die Öffentlichkeit brachte, sagte Janice Kelly am Montag Ermittlungsrichter Lord Brian Hutton. Er habe mehrmals am Tag gesagt, dass er sich "völlig im Stich gelassen und verraten" fühle.

Kelly war "zutiefst bestürzt"
David Kelly war nach Angaben seiner Witwe über die Veröffentlichung seines Namens im Zusammenhang mit dem Streit um das Irak-Waffendossier "zutiefst bestürzt." Ihrem Mann sei von seinen Vorgesetzten versichert worden, dass sein Name nicht preisgegeben werde, sagte Janice Kelly (58) am Montag per Video-Schaltung dem Untersuchungsausschuss. "Er fühlte sich total betrogen."

Sie erklärte auch, ihr Mann sei wegen seiner Pressekontakte vom Verteidigungsministerium "gerügt" worden. Er habe sich um seine Rente und die Abzahlung einer Hypothek auf das gemeinsame Haus gesorgt. Die Witwe beschrieb, wie sie und ihr Mann Anfang Juli mit einem Anruf aus der Pressestelle des Ministeriums aufgeforderte wurden, "innerhalb von zehn Minuten" ihr Haus in Oxfordshire zu verlassen. "Er stand unter großem Stress und war furchtbar aufgebracht", berichtete die Witwe.

Janice Kelly machte sich große Sorgen
Sie selbst habe am 8. Juli aus den Fernsehnachrichten von der Verwicklung ihres Mannes in die Angelegenheit erfahren. Er habe sofort gesagt "das bin ich", als es um eine Quelle für den BBC-Bericht zu von der Regierung möglicherweise aufgebauschten Geheimdienstinformationen ging, sagte die Witwe. Sie habe sich große Sorgen gemacht und geahnt, dass sein Name bald der Öffentlichkeit bekannt würde. Kelly sei deswegen "sehr, sehr unglücklich" und bestürzt gewesen.

Nachdem er seine Vorgesetzten im Ministerium davon in Kenntnis gesetzt hatte, dass der Bericht möglicherweise auf ihn zurückgehe, sei er immer schweigsamer und angespannter geworden und habe sich zurückgezogen, sagte seine Frau. Am 18. Juli wurde er mit aufgeschnittener Pulsader tot aufgefunden. Der Londoner Regierung wird vorgeworfen, Kelly in den Selbstmord getrieben zu haben.

Rücktritt des Kommunikationschef
Vergangene Woche war Alastair Campbell, rechte Hand und Kommunikationschef des britischen Premierministers Tony Blair, zurückgetreten! Der frühere Medienberater der Labour-Partei, David Hill, wird laut Blair Campbells Nachfolger.

Der frühere Medienberater der Labour-Partei, David Hill, wird Nachfolger von Alastair Campbell als Kommunikationschef der britischen Regierung. Dies teilte der Amtssitz von Premierminister Tony Blair am Freitag in London mit. Hill war zum Zeitpunkt des Wahlsiegs von Labour 1997 Chef-Medienberater der Partei. Außerdem war er der engste Kommunikationsberater des früheren Labourvize Roy Hattersley.

Blair: Campbell ist "fähig und loyal"
Campbell hat seinen Rücktritt "in wenigen Wochen" angekündigt. Er nannte private Gründe für diesen Schritt. Die Entscheidung sei bereits vor Monaten gefallen und stehe nicht in Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Tod des Regierungsbeamten David Kelly, betonte Campbell. Blair nannte Campell in einer ersten Reaktion "außerordentlich fähig und loyal". "Er war, ist und wird ein guter Freund bleiben", sagte der Regierungschef weiter.

Der einflussreiche Kommunikationschef gilt als Schlüsselfigur in der Affäre um aufgebauschtes Geheimdienstmaterial zum irakischen Waffenarsenal. Er soll persönlich für die Zuspitzung von Informationen über irakische Massenvernichtungswaffen verantwortlich sein.

Bei seinem jüngsten Auftritt vor dem Kelly-Untersuchungsausschuss hatte er vergangene Woche jedoch jeglichen Einfluss auf das umstrittene Dossier bestritten. (apa/ red)

29.8.2003 11:59