Mittwoch, 27. August 2003

Arafat ruft zur Fortsetzung der Waffenruhe auf

  • Palästinenser-Präsident will gegen Radikale vorgehen
  • Abbas beruft Krisentreffen in Gaza ein

Der Palästinenser-Präsident Arafat hat die radikalen Gruppen aufgerufen, den aufgekündigten Gewaltverzicht gegenüber Israel wieder in Kraft zu setzen. Das Büro Arafats veröffentlichte am Mittwoch eine entsprechende Erklärung. Zuvor hatte Arafat seine Bereitschaft bekräftigt, gegen die radikalen Gruppen durchzugreifen. Bedingung sei jedoch, dass Israel mit seinen "gezielten Tötungen" aufhöre.

In der Stadt Gaza hat sich am Mittwoch nach Angaben von Augenzeugen eine heftige Explosion ereignet. Die Ursache der Detonation war zunächst nicht bekannt. Gaza war in der vergangenen Woche drei Mal Ziel israelischer Raketenangriffe. Dabei wurden sieben Mitglieder der militanten Hamas-Organisation sowie ein Passant getötet. Palästinensische Sicherheitskräfte durchkämmten das Gebiet im Norden von Gaza, in dem die Explosion zu hören war, die Ursache blieb jedoch unklar. Berichte über mögliche Verletzte lagen zunächst nicht vor.

Die palästinensische Regierung hat die wiederholten Raketenangriffe Israels als Schlag gegen den Friedensprozess verurteilt. "Diese brutale israelische Regierungspolitik wird uns nur zu dem teuflischen Kreislauf der Gewalt zurückbringen", sagte Ministerpräsident Mahmud Abbas am Mittwoch.

Israel lockert Belagerungsringe
Israel hat am Mittwoch den Belagerungsring um die palästinensischen Städte Bethlehem und Jericho gelockert. Die Armee hatte beide Städte nach dem palästinensischen Selbstmordanschlag abgeriegelt, bei dem am 19. August in Jerusalem 22 Menschen getötet worden waren. Kommandos der israelischen Armee nahmen in der Nacht auf Mittwoch nach Angaben eines Armeesprechers 24 Palästinenser im Westjordanland fest, die sie der Beteiligung an Gewalttaten gegen Israel verdächtigen. Die Städte Jenin und Nablus stehen weiter unter Ausgangssperre.

Abbas beruft Krisentreffen ein
Nach der jüngsten Eskalation der Gewalt in Nahost hat der palästinensische Regierungschef Abbas für Mittwoch Krisengespräche einberufen. Bei den Treffen in Gaza sollen vor allem Sicherheitsfragen erörtert werden. Ein Treffen mit den radikalislamischen Gruppen Hamas und Islamischer Dschihad bleibe jedoch ausgeschlossen.

Abbas hatte zu beiden Organisationen die Kontakte abgebrochen, nachdem diese am Freitag ihre Waffenruhe aufgekündigt hatten. Abbas steht unter Druck von Israel und radikalen Palästinensern, die sich gegenseitig die Schuld am Wiederaufflammen der Gewalt in der Region geben.

Nach einem palästinensischen Selbstmordanschlag am Dienstag vergangener Woche hatte Israel die gezielte Tötung von extremistischen Palästinensern wieder aufgenommen. Bei dem jüngsten gezielten Raketenangriff am Dienstag in Jabaliya war ein unbeteiligter Zivilist getötet worden.

Ein Vertreter des Islamischen Dschihad bot Abbas eine Fortsetzung der Gespräche an. Ein Berater von Palästinenserpräsident Arafat sagte, die palästinensische Führung könnte eine Dringlichkeitsdebatte im UNO-Sicherheitsrat beantragen. (apa)

27.8.2003 08:56