IAEO-Kritik: USA brechen Atomwaffen-Sperrvertrag
- El Baradei: "Da wird mit zweierlei Maßstab gemessen"
- Iran bei A-Waffen-Entwicklung weiter als angenommen?
Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), Mohamed El Baradei, hat den USA vorgeworfen, sich nicht an den Atomwaffensperrvertrag zu halten. "Die US-Regierung verlangt von anderen Staaten, keine Atomwaffen zu besitzen. Und rüstet selbst auf", sagte El Baradei in einem Interview mit dem Hamburger Magazin "Stern": "Da wird mit zweierlei Maßstab gemessen."
Im Atomwaffensperrvertrag verpflichteten sich auch die USA zur nuklearen Abrüstung. "Zurzeit passiert das Gegenteil." El Baradei kritisierte die Entscheidung des US-Senats, Forschung an "Mini- Atombomben" zu finanzieren: "Noch geht es nur um Forschung. Aber das ist schlimm genug", sagte er. "Ich glaube, es entspricht nicht dem Vertrag, den sie unterzeichnet haben."
Bisher agiere die Welt auf die Bedrohung durch ihre Weiterverbreitung wie die Feuerwehr: "Heute der Irak, morgen Nordkorea, übermorgen der Iran. Und dann?" El Baradei forderte weitergehende Rechte für die Waffeninspektoren: "Sie müssen unangemeldet und ungehindert Zugang zu allen Anlagen erhalten."
Der Iran ist bei der Entwicklung von Atomwaffen möglicherweise weiter als bisher vermutet. UN-Inspektoren hätten "Spuren hochangereicherten Urans" in der iranischen Nuklearanlage Natanz gefunden, sagte El Baradei dem "stern". Das Material habe man an Gas- Ultra-Zentrifugen gefunden.
Sollte sich herausstellen, dass der Iran sein Atomprogramm nicht für friedliche Zwecke nutze, könnte dies fürchterliche Folgen haben, sagte El Baradei. Seine iranischen Gesprächspartner hätten erklärt, es handle sich um Maschinen, die bereits bei der Lieferung verschmutzt gewesen seien. Das werde jetzt überprüft.
Die geheime Uran-Aufbereitungsanlage in Natanz etwa 300 Kilometer südlich von Teheran wurde erst vor knapp einem Jahr entdeckt. Es handle sich um eine Anlage für zivile Zwecke, heißt es in Teheran. Experten bezweifeln dies.
(apa)
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