Donnerstag, 28. August 2003

"Saliera"-Krimi: Kontaktaufnahme erfolgte vor 1 Woche

  • Kontakt zu Dieben via codierter Anzeige - wer steckt dahinter?
  • Versicherung bekam Brief mit Millionenforderung & "Keramik-Brösel"

Die Kontaktaufnahme mit den mutmaßlichen Dieben von Cellinis Saliera hat offenbar schon am vergangenen Wochenende stattgefunden. Das geschah ebenfalls über Zeitungsinserate, wie aus informierten Kreisen zu erfahren war. Die Kontakte dürften offenbar einen Ernst zu nehmenden Hintergrund haben, der Versuch eines Rückkaufs könnte somit unmittelbar bevorstehen. Kolportierte 5 bis 10 Millionen € sollen die "Saliera"-Diebe fordern.

Unklar scheint aber nach wie vor die tatsächliche Herkunft jener Emaille-Splitter zu sein, welche die Verfasser des Briefes an die Versicherung beigelegt haben. Offenbar sind die mit dem Fall betrauten Experten nach wie vor unsicher, ob es sich dabei um Teile des rund 50 Millionen Euro wertvollen Salzfasses handelt. Andere Belege dürften dem Brief, in dem fünf Millionen Euro Lösegeld gefordert wurden, nicht beigelegt worden sein.

Steckt Kunstfahnder Hill hinter Inseraten
Detail am Rande: Bereits in einem im Juli in der "International Herald Tribune" veröffentlichten Inserat, mit dem man Kontakt mit den Dieben gesucht hat, war eine Telefonnummer in Frankreich angegeben worden. In den beiden im "Kurier" veröffentlichten Anzeigen handelt es sich um die gleiche Telefonnummer, die laut Medienberichten zum britischen Kunstfahnder Charles Hill führen soll.

Inserat war codiert
Unter der Rubrik "Verschiedenes" ist am Freitag in der Tageszeitung "Kurier" ein codiertes Inserat erschienen, das der Kontaktaufnahme mit den Saliera-Dieben dienen soll. Das berichtete das "WirtschaftsBlatt". Die Polizei verhängte eine Nachrichtensperre über den Fall, laut einem Bericht in der Tageszeitung "Der Standard" sollen die Ermittler der "Soko Saliera" aber "fuchsteufelswild" auf die Uniqa-Versicherung sein. Der Erpresserbrief sei mit mehrtägiger Verspätung weitergeleitet worden.

"Haben ihre Mitteilung erhalten, aber haben kleine Probleme mit ihrem Wunsch. Sara bitte komm zurück. Gezeichnet Rossi." - so lautet die Übersetzung der in englischer Sprache verfassten Anzeige, hieß es im "WirtschaftsBlatt". Datiert ist diese Mitteilung mit 13. August. Informierte Kreise bestätigten dies gegenüber der APA.

Fahnder fürchten, dass Diebe entwischen
Das Durchsickern der Nachricht über den "Saliera"-Erpresserbrief könnte den Fahndungserfolg der Polizei gefährden. Die Fahnder, die Mitte dieser Woche von dem Erpresserbrief informiert worden sein dürften, hüllen sich in Schweigen: Man könne nicht einmal sagen, ob der Brief im In- oder Ausland aufgegeben wurde. Der Generaldirektor der Uniqa, Konstantin Klien, gab am Freitag auf Anfrage der APA keinerlei Kommentar zu der Causa ab.

Bei der Tat dürfte es sich offensichtlich nicht um eine Auftragsarbeit gehandelt haben, da die Unbekannten sonst kaum versuchen würden, von der Uniqa, bei der alle Werke des Kunsthistorischen Museums versichert sind, "Lösegeld" zu erpressen.

Brief mit Keramik-Bröseln und Millionenforderung
Fahnder fürchten, dass die Diebe überhaupt entwischen oder sich nicht mehr melden, nachdem am Donnerstag bekannt wurde, dass sie einen Brief an die Versicherung der Saliera geschickt haben: Mit Keramik-Bröseln (Ermittler halten die "Probe" zu 90% für echt). Zur Erinnerung: Das einzigartige und verkäufliche Kunstwerk (Schätzwert 50 Mio €) wurde am 11. Mai im Kunsthistorischen Museum in Wien gestohlen. (red/APA)

28.8.2003 16:08