Ferien adé: Jetzt Schulstart im ganzen Land!
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Nun beginnt auch in West- und Südösterreich wieder "der Ernst des Lebens". Heute starten rund 730.000 Schülerinnen und Schüler und etwa 74.000 Lehrer nach neun Wochen Sommerferien in das neue Schuljahr. Insgesamt gehen heuer 1.205.046 Kinder und Jugendliche in Österreich zur Schule.
Durch die von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) verordnete, im Frühjahr heftig umstrittene Stundenreduktion fallen in den meisten Schultypen rund zwei Unterrichtsstunden pro Woche weg. Die Zahl der Pflichtwochenstunden in der gesamten Volksschulzeit - also erste bis vierte Klasse zusammengerechnet - sinkt von 92 auf 90 Stunden, in der Hauptschule von 127 auf 120, in der AHS-Unterstufe von 126 auf 120, in der AHS-Oberstufe von 138 auf 130 und bei den HTL und HAK von 195 auf 185 Stunden.
Für 92.000 Kids beginnt der Ernst des Lebens
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Streitfall Stundenreduktion
Im neuen Schuljahr wird es weniger Unterrichtsstunden geben. Jede Schule entscheidet selbst, wo gestrichen wird.
Beispiel: Volksschule Eslarngasse
In der Volksschule Eslarngasse fällt Schulstress unter die Kategorie Fremdwort. Denn hier wird ein Unterrichtssystem praktiziert, das den Großmüttern wohl bekannt, aber für das moderne Schulsystem ein Novum ist. In einer so genannten Mehrstufenklasse werden die Kids von der ersten bis zur vierten Schulstufe gemeinsam unterrichtet. Der pädagogische Gedanke dahinter: Die schwierige Schuleingangsphase kann sanft und ohne Notendruck absolviert werden. Volksschullehrerin Andrea Gastol über die Vorteile dieser Unterrichtsform: "Kinder und Eltern haben durch dieses Modell genügend Zeit, kleine Defizite aufzuholen, ohne gleich unter psychischen Druck zu geraten, nicht den geforderten Leistungen zu entsprechen."
92.000 Schultütenkinder pro Jahr
Aber nicht jeder der jährlich rund 92.000 Erstklassler erlebt den Start der Schulkarriere derart entspannt und sorgenfrei. Der Übergang vom Kindergarten- zum Volksschulkind stellt ein einschneidendes Erlebnis für jeden Taferlklassler dar. Pädagogin Luise Hollerer über die Umstellung: "Die Ansprüche an das Kind ändern sich ab diesem Zeitpunkt gewaltig. Die zeitliche Freiheit wird von starren Zeitstrukturen abgelöst. Neue Freunde müssen gefunden werden, das kann sensible Kinder oft sehr belasten."
Fit für die Schule
Alles Argumente, die ihre Berechtigung haben. Stellt sich nun die Frage: Wie mache ich mein Kind für den Schulalltag fit, und welche Anforderungen stellt das moderne Schulsystem an die Taferlklassler? Eine soeben erschienene Studie der Pädagogischen Akademie Graz-Eggenberg unter der Leitung von Luise Hollerer hat genau diese Fragen in den Mittelpunkt der Untersuchung gestellt. "Die Studie zeigt, dass Eltern und Lehrer sehr signifikant hinsichtlich der Erwartung an Schulanfänger unterscheiden", analysiert Hollerer die Ergebnisse.
Selbständigkeit gefragt
Auf der Wunschliste der Volksschullehrerinnen an die Kinder steht vor allem ein hohes Maß an Selbständigkeit ganz oben. Zusätzlich sollen die Schuldebütanten ein gutes Sozialverhalten im Schulalltag aufweisen. Schlüsselqualifikationen wie motorische und kognitive Fähigkeiten nehmen in der Einschätzung der Lehrer eine Mittelstellung ein. Eltern hingegen favorisieren eher die kognitiven Fähigkeiten. Hollerer: "Ein Schulanfänger sollte in der Lage sein, zehn Minuten konzentrierte Aufmerksamkeit für akustische oder optische Übungen aufbringen zu können, darauf sind die Lernprogramme aufgebaut. Außerdem sollte der Taferlklassler eine Mengenerfassung von bis zu fünf Stück auf einen Blick schaffen."
* Um schon früh die Selbständigkeit der angehenden Schulkinder zu fördern, rät Hollerer, die Kids so oft wie möglich in die Alltagshandlungen einzubinden. Hollerer: "Die klassischen Vorschulblätter sind absoluter Nonsens. Durch das Anklicken der Computermaus oder das Anmalen von Bildern werden nicht alle Sinne der Kinder gefordert. Muss ein Kind hingegen den Mittagstisch decken, lernt es, mit den Augen die Tätigkeit zu koordinieren, und die Feinmotorik wird gefördert."
* Eine weitere wichtige Maßnahme für den optimalen Schulkarrierestart ist es, den Kindern bereits im Kindergarten den Kontakt mit der Schule zu ermöglichen. Schnuppertage oder gemeinsame Feste nehmen ihnen die Angst vor dem neuen Schulgebäude. Hollerer: "Die Studie hat gezeigt, dass diese Kontakte zu 52 Prozent bereits vorkommen." Außerdem sollten die Lehrerinnen schon früh über mögliche Teilleistungsschwierigkeiten von den Eltern informiert werden, damit das Kind vom Start weg richtig gefördert werden kann.
Keine Stolpersteine im Gymnasium
Während Taferlklassler beim Schuleintritt noch Fehler machen dürfen, muss ein Schüler der fünften Schulstufe bereits einwandfrei funktionieren. Dabei ist der Übertritt in die Mittelstufe knapp vor der Pubertät weitaus herausfordernder als die ersten schulischen Gehversuche in der Volksschule. Lernexperte Hubert Krenn: "Kinder erleben nach dem Übertritt eine gänzlich neue Bewertung ihrer eigenen schulischen Leistungen. Da sie ihre Persönlichkeit in diesem Alter hauptsächlich über die Schulleistungen definieren, kommt es hier auch oft zu einer dramatisch schlechteren Bewertung ihrer selbst." Was kann man also als Elternteil unternehmen, damit das Selbstwertgefühl durch einen Leistungsabfall nicht in den Keller rasselt? Krenn: "Die Eltern sollten sich in dieser Phase besonders viel Zeit nehmen und die Integration in der neuen Klasse beobachten. Wiederkehrende Fehler sollten gespeichert und bekämpft werden. Im ersten Schuljahr müssen sie quasi als Coach ihres Kindes agieren."
Die neuen Stundenpläne
Glaubt man den Prognosen der Lehrer, werden die Kids in Zukunft noch mehr das Engagement der Eltern für die Bewältigung der Schulalltags benötigen. Denn ab diesem Schuljahr wird die neue Lehrplanverordnung erstmals umgesetzt. Im Klartext: Die Schüler der Hauptschulen und Gymnasien werden in Zukunft um 1,5 Stunden pro Woche weniger die Schulbank drücken, und den Oberstufenschülern steht eine Reduktion von gleich zwei Stunden pro Woche bevor. Während das Unterrichtsministerium von einer inhaltlichen Entlastung für die Schüler spricht, befürchten die Lehrer, dass sie den Unterrichtsstoff nicht mehr bewältigen können und die Kids dadurch mehr Hausaufgaben erledigen müssen. Welche Stunden vom Lehrplan ersatzlos gestrichen werden können, kann jede Schule autonom entscheiden. Die Direktoren der heimischen Schulen stehen also derzeit vor einer schwierigen Entscheidung. Schulexperten befürchten, dass die neue Lehrplanverordnung vor allem auf Kosten der Turnstunden gehen wird.
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