Donnerstag, 28. August 2003

Trauer in Österreich: Ex-Minister Hesoun verstorben

  • Er war Sozialminister von 1990 bis 1995, führte das Pflegegeld ein
  • Sozialdemokratische Traum-Karriere: Vom Mechaniker zum Ressortchef

"Er war ein großer Sozialreformer." SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer trauert: Ex-Sozialminister Josef Hesoun ist im Alter von 73 Jahren in der Nacht auf Donnerstag im Wiener Hanusch-Krankenhaus verstorben. Hesoun war von 1990 bis 1995 Sozialminister. In seiner Amtszeit wurde das Pflegegeld eingeführt. Er machte eine sozialdemokratische Bilderbuchkarriere, die ihn vom Automechaniker bis zum Ressortchef führte.

Sein politischer Werdegang: Vom gelernten Automechaniker über die Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter, die niederösterreichische Arbeiterkammer bis in den Nationalrat und ins Sozialressort.

Hesoun war verheiratet, er hinterlässt einen Sohn.

Sein Wirken als Sozialminister
Hesoun selbst schrieb 136 Gesetze und über 90 Verordnungen auf seine Habenseite. Mit dem unter seiner Führung ausgearbeiteten Pflegegeldmodell ist er in die österreichische Sozialgeschichte eingegangen. Unter seiner Ägide wurde auch die Arbeitsmarktverwalung als eingeständiges Arbeitsmarktservice ausgegliedert.

Den Ruf eines "Betonierers" handelte er sich im Streit um das geplante Kraftwerk Hainburg ein. Letztlich wirkte er aber doch mäßigend in der Auseinandersetzung zwischen Umweltschützern und Gewerkschaftern, indem er in der besetzten Au den Dialog mit den Naturschützern suchte.

Als negativstes Erlebnis seiner Karriere bezeichnete er die sogenannte "Grapsch"-Affäre. Seine damalige Partei- und Parlamentskollegin Waltraud Schütz hatte ihn beschuldigt, ihr in den Rückenausschnitt gegriffen zu haben. "Was mich wirklich erschüttert hat, war die Angelegenheit um die Frau Schütz. Das war ein Tiefschlag der politischen Unkorrektheit, auch das Abscheulichste für mich", erklärte Hesoun dazu.

Beinahe sprachlos machte Hesoun im Jahr 2000 die Führung des Sozialministeriums. "Was soll ich sagen? Seit 1947 bin ich Funktionär in der SPÖ und habe vieles erlebt. Aber dass nach 30 Jahren Sozialpolitik dort jemand sitzt, der Schlossbesitzerin ist, das ist für mich ein bissl was Obszönes". Er habe nichts pesönlich gegen Elisabeth Sickl, aber er wolle gar nicht weiterreden - "sonst bekomm' ich eine beschlagene Stimme". (apa)

28.8.2003 09:40