Montag, 18. August 2003

Ab 1. Oktober: Härte-Test für Auto-Händler

  • Liberalisierung erlaubt mehr Wettbewerb, Käufer sollen profitieren
  • Aus für Rabatte: Autos werden ab Herbst teurer!

Härte-Test für den Autohandel! Ab 1. Oktober gelten für die 2.700 heimischen Händler neue Wettbewerbsregeln. Denn EU-Kommissar Monti verordnet Liberalisierungen zugunsten der Konsumenten und gnadenlosen Wettbewerb. Autos, Ersatzteile und Reparaturen sollen billiger werden, die teils enormen Preisunterschiede fallen. Die Käufer sollen gewinnen, die kleinen Händler werden vermutlich draufzahlen.

Verwirklichen will Monti das Autofahrerparadies über eine Reform der so genannten Gruppenfreistellungsverordnung (GVO). Die legt die Spielregeln der Branche fest. Sie bestimmt, wer wo Autos verkaufen darf und welche Restriktionen Importeure Händlern auferlegen dürfen.

Die runderneuerte Version der GVO stellt das Kfz-Geschäft durch neue, freie Entfaltungsmöglichkeiten für Autohändler völlig auf den Kopf. Wie schnell Kunden profitieren, ist fraglich. Fest steht: Vor allem für kleine Händler wird der neue Konkurrenzkampf die Hölle. "Auf die Branche", sagt ein Opel-Anbieter, "wartet am 1. Oktober die Stunde null."

Wesentlichste Neuerung: Importeure dürfen Händlern nicht mehr den Verkauf anderer Marken untersagen
Ein VW-Händler darf nun auch einen Renault in die Auslage stellen. Maurizio Totta, Chef der Shopping City Süd, wird einen darauf basierenden Plan präsentieren: Mit einem Händlerpartner, der sich mehrere Marken ins Haus nimmt, will er die Motor City Süd neu beleben.

Neu: Importeure dürfen sich ihre Werkstättenpartner nicht mehr aussuchen
Das besagt die Gruppenfreistellungsverordnung (GVO): Wer die Bedingungen eines Herstellers für eine Markenwerkstatt erfüllt, hat Anspruch auf einen Vertrag. Wer einen solchen Vertrag hat, darf damit auch - ebenfalls laut EU-Vorschrift - in kleinem Stil mit Neuwagen handeln.

Ab 2005: Gebietsschutz fällt, jeder darf EU-weit aufsperren!
Die Vorbereitungen für einen noch weitreichenderen Reformschritt laufen: 2005 fällt der Gebietsschutz. Danach darf jeder EU-Autohändler in der ganzen Europäischen Union Filialen aufsperren. Die großen britischen Autohandelsketten haben dann beispielsweise die Möglichkeit, ein Filialnetz in Österreich aufziehen.

Branchensprecher und Honda-Händler Heinz Havelka: "Es gibt schon jetzt enorme Konkurrenz im Autohandel. Das beweisen die Aktionitis und Rabattitis. Doch nun wird es so richtig abenteuerlich."

Vorteile für die Kunden stellen sich erst allmählich ein. Wie massiv die Vorteile der Reform für Neuwagenkunden ausfallen, wird sich erst zeigen. Die österreichischen Autopreise sind im EU-Vergleich zwar eher hoch. Doch die Verbilligungen werden nicht in Form geschrumpfter Listenpreise, sondern besserer Ausstattungen an die Konsumenten weitergegeben.

Importeure senken Händlerspannen, aus für Kunden-Rabatte!
Zudem haben die Importeure vorgesorgt, dass der schwarze Peter der Reform nicht bei ihnen bleibt: Sie senken die Händlerspannen. So kriegt ein BMW-Händler pro Auro künftig acht % statt wie bisher rund 13% vom Verkaufspreis. Das schränkt die Spielräume der Händler bei Rabatten ein. "Machen wir bei den Rabatten weiter wie bisher, zahlen wir ab 1. Oktober bei Neuwagen sogar drauf", meint Händler Walter Benda. "Fürs Erste bleibt für die Kundschaft preislich alles beim Alten", prognostiziert Heinz Havelkas Tochter Janina, selbst frisch gebackene Honda- und Suzuki-Händlerin.

Harte Zeiten für kleine Autohändler
Dass die Importeure die neue GVO ernst nehmen (müssen), haben sie bewiesen: Mit Wirkung zum 30. September haben alle Importeure, darunter Porsche Austria, BMW Austria oder Opel, die alten Händlerverträge in Bausch und Bogen gekündigt und für Makulatur erklärt. Als "Strukturkündigung" bezeichnet das BMW-Sprecher Michael Ebner. Derzeit herrscht allgemein vertragsloser Zustand.

Zweck der Übung ist die zeitgerechte Anpassung der Kontrakte an die neuen EU-Vorgaben. Zudem straffen die Importeure bei der Gelegenheit ihr Vertriebsnetz. Verträge werden da entzogen und dort aufgebessert. Für Händler heißt das: Wer am 1. Oktober noch keinen Kontrakt hat, kann künftig nur eine Werkstätte betreiben oder muss die Branche wechseln. Es steht bereits fest, dass mindestens fünfzig Händler auf der Strecke bleiben werden.

Zudem haben es die neuen Verträge in sich. Derzeit werden sie von den Importeuren ausgetüftelt, mit den Händlern abgestimmt und von der Wettbewerbsbehörde sowie der Wirtschaftskammer geprüft. Die Senkung der Margen ist nur ein Aspekt von vielen. (apa, red)

18.8.2003 14:08