Mittwoch, 20. August 2003

Das Ranking: Die 100 größten Österreicher

  • Die Leser von NEWS und NEWS NETWORLD die Wahl: Wer ist am wichtigsten für das Land?

Wählen Sie aus 100 Kandidaten: von Wolfgang Amadeus Mozart bis Joe Zawinul, von Maria Theresia bis Bruno Kreisky.

Schon hatten wir befürchtet, dass es in diesem Sommer nebst der Wetterlage kein wirklich emotionalisierendes Thema geben werde. Da ließ zum Glück der Historiker Guido Knopp via ZDF die „größten Deutschen“ wählen und verschleppte zu diesem Behufe ohne Scham die Österreicher Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Haydn und Sigmund Freud über die nördliche Grenze.

Über Mozart – so war dem daraufhin folgenden Getümmel zu entnehmen – könne gerade noch gestritten werden: Geboren im eigenständigen Fürsterzbistum Salzburg als Sohn einer Familie mit Augsburger Wurzeln, kann man mehrere Staatsbürgerschaften beanspruchen. Aber Haydn als gebürtiger Niederösterreicher? Sigmund Freud, der in der Wiener Berggasse als Begründer der Psychoanalyse Geschichte schrieb, wurde von den Nazis vertrieben und starb in London. Ihn in Deutschland zwangseinzugemeinden ist Zynismus.

NEWS lässt wählen. Jetzt aber wollen wir es wissen. NEWS und NEWS Networld bitten zur Wahl: Wer ist für Sie die wichtigste Österreicherin oder der wichtigste Österreicher? Wer hat unser Land am stärksten geprägt? Womöglich Mozart, Haydn oder Freud?

Kunst oder Politik? Um die Entscheidung einfacher zu machen, hat die NEWS-Redaktion eine Liste mit 100 Unsterblichen ausgearbeitet. Spannend wird die Frage, was für die Österreicher am meisten zählt: Die Leistungen der größten Künstler unseres Landes? Die Entscheidungen der Politik? Oder die Errungenschaften österreichischer Wissenschaftler?

Wer zur Wahl steht. Von „A“ wie Viktor Adler, dem sozialdemokratischen Mitbegründer der Ersten Republik, bis „Z“ wie Joe Zawinul, Österreichs berühmtestem Jazz-Export, reicht die Liste der Wahlvorschläge.

Die Komponisten. Hier steht neben Mozart und Haydn selbstverständlich Ludwig van Beethoven zur Wahl. Zwar in Bonn geboren, hielt er sich seit seinem 22. Lebensjahr ständig in Wien auf und schuf hier seine Meisterwerke. Mit den von Knopp verschleppten Kollegen Haydn und Mozart verkörperte er die erste Wiener Klassik.

Entertainer und Virtuosen. Die so genannte U-Musik wird hier nicht ausgegrenzt. Peter Alexander ist der geniale Profi des Charmes der alten Schule, Falco und Wolfgang Ambros mach(t)en Musik für die nächste Generation. Der Querdenker unter den Pianisten, Friedrich Gulda, ist das Missing Link zur klassischen Musik, für die Herbert von Karajan steht.

Schriftsteller. Johann Nepomuk Nestroy und Thomas Bernhard: grandiose, unendlich österreichische Diagnostiker des Österreichischen und dabei selbst österreichische Prototypen. Oder war Heimito von Doderer („Strudelhof-
stiege“) der Größte? Joseph Roth („Radetzkymarsch“)
oder Ödön von Horváth („Geschichten aus dem Wiener Wald“), die – jeder von seinem politischen Standpunkt aus – das Sterben einer Zeit beschrieben haben? Elfriede Jelinek ist die größte unter den österreichischen Selbstquälerinnen. Zuletzt befasste sie sich literarisch mit der Schauspielerin Paula Wessely.

Die Schauspieler. Auch sie darf auf der Liste nicht fehlen. Wegen ihres Arrangements mit der NS-Filmwirtschaft umstritten, steht sie dennoch für eine österreichische Theaterkultur. Mit ihr zur Wahl: Komödiant Karl Farkas, Helmut Qualtinger, der das hässliche österreichische Antlitz entlarvte. Oder doch Arnold Schwarzenegger, der Grenzen sprengte?

Die Politik. Wer hat Österreichs Position in der Welt am meisten geprägt? Rudolph I., Begründer der Habsburger Herrschaft? Maria Theresia, die uns die allgemeine Schulpflicht verordnet hat? Oder Bruno Kreisky, der uns kurz groß gemacht hat?

Die Wissenschaftler. Viele große Denker des Landes leben in unverdienter Anonymität fort. Das könnte bei der NEWS-Wahl korrigiert werden. Auf der Liste: die großen Mediziner Lorenz Böhler, Begründer der modernen Unfallchirurgie, und Ignaz Semmelweis, der die Ursache des Kindbettfiebers entdeckte. Naturwissenschaftler wie der Verhaltensforscher Konrad Lorenz. Oder Sigmund Freud, Erwin Ringel und Viktor Frankl, die Giganten der Psychologie.

Die Unternehmer. Josef Manners Kreation nimmt sogar im neuen Schwarzenegger-Film Protagonistenrang ein. Frank Stronach machte in Kanada ein Vermögen in der Automobilbranche und gibt es hier wieder aus. Möge er darin nicht innehalten.

Die Idole. Sind Hermann Maier, Karl Schranz und Franz Klammer die Größten? Oder doch eher Hermann Gmeiner, der die SOS-Kinderdörfer begründete?

Schlimmstenfalls können Sie sich immer noch durch die Wahl des lieben Augustin aus der Affäre ziehen.

20.8.2003 15:50