Präsidenten-Rennen
- In den Meinungsumfragen liefern sich Fischer und Pröll das Duell
In der ÖVP zeichnen sich immer deutlicher die Kandidatur von Erwin Pröll und der Verzicht von Benita Ferrero-Waldner ab.
Die Herren unterhielten sich prächtigst, das Essen dauerte für Kanzlerverhältnisse über Gebühr lang, und was Wolfgang Schüssel mit seinem Gast, Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll, gänzlich top secret besprach, hat dem Regierungschef offenbar sehr getaugt, so schildert man in der Zentrale der Kanzlerpartei (VP-Generalsekretär Reinhold Lopatka: Natürlich hat der Kanzler mit Pröll geredet) jedenfalls jenes hochkarätige Meeting vor wenigen Tagen, das offenbar wesentlich zur beschleunigten Debatte über die ÖVP-Bundespräsidentschaftskandidatur beigetragen hat.
Immerhin: Schon wenig später, am Montagabend dieser Woche, horchte halb Österreich auf. Via ORF-Landesstudio Niederösterreich und nationale Zeit im Bild erklärte Erwin Pröll plötzlich, seine etwaige Bundespräsidentschaftskandidatur sei ein Anspruch, den man nicht wegschieben soll, nur, er habe sich noch längst nicht zu dieser sicherlich sehr, sehr persönlichen Entscheidung durchgerungen.
Pröll ist in der Arena. Seit Mitte Juli NEWS berichtete mehren sich faktisch im Wochentakt die Indizien, dass es sich Schüssels stärkster Länderfürst tatsächlich ernsthaft überlegt, im April 2004 zur Bundespräsidentenwahl in der Nachfolge von Thomas Klestil anzutreten.
Aus dem St. Pöltner Regierungssitz drangen schon in der Vorwoche erste Gerüchte durch, Pröll würde durchaus ernsthaft überlegen und sich definitiv im Herbst entscheiden. Vor allem, weil es sehr viele Bürger und Parteifreunde gebe, quer durch die Republik, innerhalb Niederösterreichs, aber auch außerhalb, die meinten, Pröll tue gut daran, sich im Interesse der Republik für dieses Amt zur Verfügung zu stellen. Pröll: Diese Appelle gehen an mir nicht spurlos vorbei.
Daher bestätigte der Landeshauptmann Dienstag früh gegenüber NEWS erstmals auch definitiv, sich schon im Herbst, und zwar bis Oktober, entscheiden zu wollen jedenfalls ganz sicher vor Weihnachten. Um gleichzeitig ebenso deutlich zu unterstreichen, dass momentan noch keinerlei Entscheidung gefallen sei, er noch zu viele Fakten abzuwägen habe.
Woran Pröll kiefelt. Seit Ende Juni ist Pröll im Besitz von vor allem parteiinternen Umfragedaten, die ihn als einzigen ÖVP-Kandidaten ausweisen, der in der Lage ist, einen SPÖ-Kandidaten, etwa Heinz Fischer, zu schlagen. Gar mit einem Abstand bis zu elf Prozent, wie ihm das ÖVP-nahe Institut Fessel-GfK prognostizierte. Andere Demoskopen (etwa Wolfgang Bachmayer, OGM) sehen ihn zwar so weit nicht voran, aber auch am chancenreichsten. Und Fritz Karmasin von Gallup sieht zwar Heinz Fischer voran, aber Pröll dicht dran, jedenfalls vor der von Schüssel offiziell noch favorisierten Außenministerin.
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