Samstag, 23. August 2003

Umstrittener voest-Chef: Struzls Abgang könnte 5,5 Mio. € kosten

  • Streicher über kolportierte Ablöse: "Unendlicher Blödsinn"
  • Struzl geht im Jänner 2004

Die "Causa Struzl" könnte den Stahlkonzern voestalpine nachträglich teuer zu stehen kommen, was die Vertragsauflösung des amtierenden Vorstandsvorsitzenden betrifft: Voestalpine-Chef Franz Struzl, der nach umstrittenen Aktiengeschäften am Dienstag seinen Rücktritt mit Jänner 2004 angeboten hat, fordert zum Abschied insgesamt rund 5,5 Millionen Euro. Aufsichtsrats-Chef Rudolf Streicher wies die genannte Summe als "unendlichen Blödsinn" zurück.

Auch Voestalpine-Pressesprecher Wilhelm Nitterl sprach von "Fantasiezahlen". "Für mich ist das eine Raubersg'schicht", kommentierte Nitterl am Montag den Bericht in der neuesten Ausgabe des "trend", ohne jedoch Konkretes zu erklären.

Bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 19. September, bei der Struzls Rücktrittsangebot angenommen werden dürfte, wird dem Magazin zufolge nun verhandelt, in welcher Höhe der vorzeitige Abgang des seit Mitte 2001 amtierenden voest-Konzernchefs abgegolten werden soll. Den Berechnungen der von "trend" geschätzten Forderungen liegt Struzls Jahresgehalt im Geschäftsjahr 2001/2002 zu Grunde, das sich damals laut "Format" aus 464.000 Euro Grundgehalt und 310.000 Euro Bonus zusammen gesetzt habe. Eine Detailaufschlüsselung der im Geschäftsbericht 2002/03 verlautbarten Vorstandsbezüge gibt das Unternehmen laut "trend" nicht bekannt.

Die vom "trend" ermittelte Gesamtsumme von fast 5,5 Millionen Euro (exakt 5,433 Millionen Euro) errechnet sich aus der Ablöse des bis Mitte 2006 laufenden Vorstandsvertrags (1,999 Millionen Euro) zuzüglich 464.000 Euro Abfertigung und 2,97 Millionen Euro, falls die Pensionsansprüche zum Barwert in einem ausbezahlt werden.

Streicher über kolportierte Ablöse: "Unendlicher Blödsinn"
Als "unendlichen Blödsinn" hat voestalpine-Aufsichtsratschef Rudolf Streicher die in einem Magazinvorabbericht kolportierte voraussichtliche Geldsumme von insgesamt rund 5,5 Mio. Euro für den Fall der vorzeitigen Vertragsauflösung von Voest-Konzernchef Franz Struzl zurück gewiesen. "Das ist ein unglaublicher Fantasiebetrag", sagte Streicher Montagnachmittag zur APA.

Gleichzeitig hielt der Aufsichtsratspräsident des börsenotierten Linzer Stahlkonzerns aber fest, zu Vorstandsverträgen grundsätzlich nicht Stellung zu nehmen. "Das gehört zu einer Aufsichtsratskultur", betonte Streicher. (apa/ red)

23.8.2003 11:36