Freitag, 22. August 2003

FORMAT: Österreichs erfolgreichster Banker

  • Erste Bank: Von der verstaubten Großstadt-Sparkasse zum profitablen Geldhaus

Erste-General Andreas Treichl freut sich über Rekordgewinne. Aus der verstaubten Stadtsparkasse wurde dank Ostgeschäft und Fokussierung auf Privatkunden eine überaus profitable Großbank.

Treichls Terminkalender ist notorisch voll. Aber der Arbeitseifer hat sich ausgezahlt. Treichl: "Wir haben in den ersten sechs Monaten des Jahres einen Gewinn von 165 Millionen Euro gemacht."

Aufstieg
Die Geschäftszahlen belegen eindrucksvoll, wie sich die Erste Bank unter Treichls Führung seit 1997 von einer verstaubten Großstadtsparkasse zu einem der profitabelsten Geldhäuser in Osteuropa gemausert hat. Treichls Kritiker sind verstummt und müssen akzeptieren, dass die Privatkundensstrategie, Auslands-Akquisitionen sowie geschickte Gesetzes-Initiativen im Inland den Erste-Boss zum derzeit erfolgreichsten Banker Österreichs gemacht haben.

Von der Geschäftstüchtigkeit des kapitalmarktorientierten Austrobankers profitieren freilich auch Erste-Aktionäre: Innerhalb der vergangenen zwölf Monate legte das Bankpapier trotz allgemeiner Börsenflaute um stolze 40 Prozent auf zuletzt 83 Euro zu.

Ostbanken-Jäger
Treichls Ruf als erfolgreicher Ostbankenjäger kommt nicht von ungefähr. Für die Erste und ihre Aktionäre erwies sich besonders der Kauf der tschechischen Ceska sporitelna (2000) sowie der slowakischen Slovenska sporitelna (2001) als wahrer Goldgriff, die dortigen Treichl-Statthalter als Idealbesetzungen: Ceska-Boss Jack Stack und Slovenska-Chefin Regina Ovesny-Straka überweisen zum Halbjahr zusammen 73,2 Millionen Euro nach Wien. Und auch aus Ungarn und Kroatien fließt Geld. Insgesamt steuert Zentraleuropa in den ersten sechs Monaten 89,5 Millionen zum Konzerngewinn bei - das sind 54,2 Prozent. Die Börsianer jubeln ob der Cashflows.

Kippt Euphorie bald?
Die Euphorie könnte aber schon bald in Katerstimmung umkippen. Nämlich dann, wenn die zügige Expansion ins Stocken gerät. Erste Indizien dafür gibt es bereits: Vor kurzem verlor die Erste bei der Privatisierung der DSK Bank und verfehlte damit den idealen Einstieg in den bulgarischen Markt.

(format vom 22.8.2003)

22.8.2003 15:17