Freitag, 22. August 2003

Entspannung bei ÖBB: Kein Streik, weiter Überstunden

  • Aber Kampfmaßnahmen bei ÖBB-"Dreiteilung" angedroht
  • Gorbach erleichtert: "Ein Etappensieg der Vernunft"

Minister Gorbach sprach von einem "Etappensieg der Vernunft": Kein Streik, vorerst keine Kampfmaßnahmen - aber weiter Überstunden - das ist das Ergebnis der Beratungen von 2.000 ÖBB-Delegierten zur geplanten "Zerschlagung" und den massiven Sparplänen. Erst wenn der entsprechende Gesetzesentwurf zur Begutachtung eingereicht wird, soll es 'hart auf hart' gehen.

Die Eisenbahner-Gewerkschaft (GdE) will die angedrohten gewerkschaftlichen Kampfmaßnahmen im Zusammenhang mit der ÖBB-Reform erst dann einsetzen, wenn der entsprechende Gesetzesentwurf in die Begutachtung geschickt wird. Nach jüngsten Informationen wird das nicht vor Mitte September sein.

"Etappensieg der Vernunft"
"Ich werte es als positives Signal, dass die Gewerkschaft vom Überstundenboykott absieht und Gesprächsbereitschaft zeigt. Das ist ein Etappensieg der Vernunft, weil es höchst unvernünftig wäre, das eigene Unternehmen zu schwächen", kommentierte Infrastrukturminister Gorbach das Ergebnis der Eisenbahner-Gewerkschafter.

Jedes andere Ergebnis wäre für ihn auch vollkommen unverständlich gewesen, denn es könne ja schließlich nicht das Ziel der Gewerkschaft sein, die leistungswillige ÖBB-Belegschaft in Boykottmaßnahmen hineinzuhetzen, die dem Unternehmen schaden und den Fahrgast verärgern, so Gorbach. Zu konstruktiven Gesprächen seien er und sein mit der ÖBB-Reform beauftragter Staatssekretär Helmut Kukacka jederzeit bereit, denn es sei niemandes Intention, ein Gesetz "an den Mitarbeitern vorbei" zu beschließen.

Trennung in drei Aktiengesellschaften
Wenn das vorliegende Konzept mit einer Trennung der ÖBB in drei Aktiengesellschaften (Infrastruktur, Personen- und Güterverkehr) unter einer Holding weiter aufrecht bleibt, kommt der angedrohte Überstundenboykott allerdings zum Tragen, gab Eisenbahner-Gewerkschaftschef Wilhelm Haberzettl am Montag auf einer Pressekonferenz bekannt.

Zunächst bleibt es aber bei einer Informationskampagne "Pro Bahn", die am Dienstag bundesweit mit Inseraten und Flugblättern starten soll. (apa, red)

22.8.2003 10:11