Mittwoch, 20. August 2003

Zahlungsverkehrsallianz der Großbanken vorerst gescheitert

  • Erste Bank und BAWAG/P.S.K. starten ohne BA-CA
  • BA-CA befürchtet Qualitätsverluste

Vorerst gescheitert ist das gemeinsame Zahlungsverkehrsprojekt der heimischen Großbanken Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), Erste Bank und Sparkassen sowie der Bawag/P.S.K.-Gruppe. Erste Bank und BAWAG/P.S.K. haben sich zwar darauf geeinigt, mit der gemeinsamen Plattform zu starten, die BA-CA macht dabei allerdings vorerst nicht mit, bestätigen die betroffenen Bankinstitute.

"Wir haben niemanden hinausgeworfen, die Tür steht für alle offen", so Erste Bank-Sprecherin Karin Hacker. Das technische Abwicklungszentrum wird laut Hacker in der BAWAG/P.S.K. angesiedelt sein.

"Wir sind nicht ausgestiegen", betonte BA-CA-Sprecher Martin Hehemann. Die Erste Bank und die BAWAG/P.S.K. hätten beschlossen, das Projekt alleine zu machen. Um keinen Qualitätsverlust hinnehmen zu müssen, habe die BA-CA in den seit einem Jahr andauernden Verhandlungen darauf gedrängt, das geplante gemeinsame System zu verbessern, oder ein bis zwei Jahre noch mit ihrem eigenen System weiter zu fahren. An einer Aufrüstung des Systems habe aus Kostengründen kein Interesse bestanden.

60% Auslandszahlungsverkehr von BA-CA
"Wir haben einen hohen Anteil am Auslandszahlungs-verkehr, 60 Prozent in der Allianz wäre von uns gekommen", so Hehemann. Das auf Großkunden ausgerichtete BA-CA-System sei dafür deutlich besser geeignet als das auf Sparkassen-Kunden ausgerichtete Spardat-System. Beim Inlandszahlungsverkehr hätte der BA-CA-Anteil 40 Prozent betragen. "Dem Zahlungsverkehrsprojekt fehlen jetzt die Größe und die Skaleneffekte", meinte Hehemann.

Nun werde die BA-CA "schauen, was passiert", so Hehemann weiter. Möglicherweise werde aus der gemeinsamen Zahlungsverkehrsplattform von Erste Bank und BAWAG/P.S.K. nur ein gemeinsames Clearinghaus, "was immer das ist", so der BA-CA-Sprecher. Als Alternative zur österreichischen Lösung werde sich die BA-CA jetzt wahrscheinlich um Konzern-Varianten bemühen. (apa/red)

20.8.2003 15:04