Mittwoch, 20. August 2003

Kündigungswelle: Anker entließ zu Wochenbeginn 220 Mitarbeiter

  • Stadt Wien richtet Insolvenzstiftung für gekündigte Mitarbeiter ein
  • Ursprünglich 300 Anmeldungen im AMS-Frühwarnsystem

Der Ende Juni in Ausgleich gegangene Backwaren-Riese Ankerbrot macht unter seinem neuen Eigentümer, dem Deutschen Klaus Ostendorf, ernst mit der Sanierung und den angekündigten Kündigungen. Nach Angaben des Betriebsrates wurden am Montag 220 Mitarbeiter gekündigt, davon 143 am Hauptsitz in der Absberggasse in Wien-Favoriten und 77 in den Niederlassungen.

Am Donnerstag wird im Gläubigerbeirat über das Fortführungskonzept beraten. Die Kündigung der 220 Mitarbeiter - ursprünglich waren 300 im Frühwarnsystem des Arbeitsmarktservice (AMS) angemeldet worden - seien nicht zu verhindern gewesen, hieß es am Mittwoch in einem Schreiben des Betriebsrats weiter. Für die Betroffenen sei erreicht worden, dass der von ihnen im Dezember 2002 geleistet Solidaritätsbeitrag rückerstattet werde.

Entlassene bekommen finanzielle Hilfe
Für Mitarbeiter, bei denen durch die Kündigungen besondere soziale Härte auftrete, sei ebenfalls eine Lösung gefunden worden. Der neue Eigentümer habe "zur Überbrückung der finanziellen Notlage privat eine ansehnliche Summe zur Verfügung gestellt".

Insolvenzstiftung für gekündigte Mitarbeiter
Die Stadt Wien verspricht Unterstützung für die gekündigten Mitarbeiter. Wer in Wien wohnhaft ist, hat die Möglichkeit, für längstens vier Jahre in die Insolvenzstiftung der Stadt aufgenommen zu werden. Für die Zeit der Umschulung bzw. Arbeitssuche stehen dadurch zusätzlich zum Arbeitslosengeld 43 Euro pro Kopf und Monat zur Verfügung.

Wie viele der 143 am Standort Wien gekündigten Mitarbeiter das Angebot in Anspruch nehmen werden, könne man vorerst noch nicht sagen, so ein Sprecher von Wirtschaftsstadtrat Sepp Rieder (S). Gültig ist es nur für die Wiener unter den Betroffenen. Wie im Fall Grundig versuche man aber, auch für die neun niederösterreichischen Mitarbeiter eine Lösung in ihrem Bundesland herbeizuführen.

Die Stadt wendet pro Platz in der Stiftung 7.000 Euro auf, so der Rieder-Sprecher. Die Abwicklung erfolgt über den Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (WAFF).

Arbeitsplätze sollen gesichert bleiben
"Jeder Gekündigte ist einer zu viel", betonte Betriebsratsvorsitzender Werner Tauchner. Es habe aber gegolten, auch die schwierige wirtschaftliche Lage des Unternehmens zu berücksichtigen und die Arbeitsplätze von rund 2.000 verbleibenden Beschäftigten (inklusive Filialbetrieb) zu sichern. Dies dürfte "aus heutiger Sicht" auch gelingen, so der Arbeitnehmervertreter. (apa)

20.8.2003 11:56