Mittwoch, 20. August 2003

Erste Bank legt zu: Halbjahrs-Konzernüberschuss um fast die Hälfte gesteigert

  • 54 Prozent davon stammen aus den CE-Töchtern
  • Bis Ende 2004 werden 250-300 Mitarbeiter abgebaut

Die Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen konnte im ersten Halbjahr 2003 den Konzernjahresüberschuss nach Steuern und Fremdanteilen um 48,9 Prozent auf 165,1 Mio. Euro steigern, die Ost-Töchter steuerten bereits 54 Prozent bei. Das Betriebsergebnis konnte um 16,7 Prozent auf 676,9 Mio. Euro verbessert werden. Im Gesamtjahr 2003 soll der Konzern-Jahresüberschuss zweistellig wachsen, wobei die erste Zahl mit Sicherheit "ein Zweier" sein werde, so Erste Bank-Chef Andreas Treichl. Die Zahl der Mitarbeiter in der Erste Bank soll bis Ende 2004 um 250 bis 300 reduziert werden.

Kündigungen würden voraussichtlich einen weit geringeren Teil als die zuletzt in Medien kolportierten 100 ausmachen, so Vorstand Elisabeth Bleyleben-Koren. Bei der IT-Tochter Spardat werden rund 150 der derzeit 870 Stellen wegfallen, davon rund 50 Leiharbeiter. Großteils abgeschlossen sei der Personalabbau in den mittelosteuropäischen Töchtern, in denen es nur mehr zu leichten Rückgängen bei den Mitarbeiterzahlen kommen soll, so Treichl. In Ungarn werde es sogar einen "Personalaufbau" geben. Der Personalstand der Erste Bank-Gruppe lag Ende Juni bei 36.500, nach 36.900 Ende 2002.

Führender Finanzdienstleister in Osteuropa
Die Erste Bank habe sich in Mittel- und Osteuropa im Retailgeschäft und für Klein- und Mittelbetriebe als führender Finanzdienstleister etabliert, betonte Treichl. Mit der zweiten Erweiterungswelle sei damit zu rechnen, dass der Marktwert der Bank, der zum gestrigen Schlusskurs (83,5 Euro) erstmals die 5 Mrd. Euro-Grenze überschritten habe, 10 Mrd. Euro erreichen könne. In den vergangenen fünfeinhalb Jahren habe sich der Marktwert um mehr als 250 Prozent erhöht. Die Erste Bank habe sich auch an der Prager Börse als einer des wesentlichsten Titel etabliert. In Wien legte die Aktie heute bis 15.30 Uhr 1,68 Prozent auf 84,90 Euro zu.

Ziele für 2005 bekräftigt
Bekräftigt hat die Erste Bank heute ihre Ziele für 2005: Ein Konzernüberschuss von mindestens 500 Mio. Euro, eine Eigenkapitalverzinsung von mindestens 15 Prozent und eine Kosten/Ertragsrelation zwischen 60 und 62 Prozent. Treichl zeigte sich sicher, dass dies erreicht werden kann. Langfristig auskommen werde man in Hinkunft mit einem Eigenkapitalkoeffizienten (Tier 1) von 6 bis 7 Prozent. Im ersten Halbjahr 2003 konnte eine Eigenkapitalverzinsung von 13,1 Prozent erreicht werden, nach 12,7 Prozent im Vorjahreszeitraum. Die Kosten/Ertragsrelation sank auf 64,4 (67,9) Prozent. Es sei "sehr erfreulich", dass man sich im Halbjahr jenem Wert angenähert habe, den sich die Bank wünsche.

An ungarischer Postabank interessiert
An der ungarischen Postabank, die demnächst vom Staat verkauft wird, habe die Erste Bank ein "starkes Interesse". Derzeit befinde man sich im Due Diligence Prozess. Die Bank sei trotz ihrer Probleme ein gutes Investment, der Marktanteil in Ungarn könnte de facto verdoppelt werden. Sollte die Erste Bank nicht zum Zug kommen, "werden wir aber auch nicht in Trauer fallen", so Treichl. Man werde nach weiteren Akquisitionen Ausschau halten bzw. aus eigener Kraft wachsen.

Abgeschlossen hat die Erste Bank den Restrukturierungsprozess im Versicherungsbereich. Der Sachversicherungsbestand ihrer tschechischen Versicherungstochter Pojistovna Ceske sporitelne wird an die Wiener Städtische-Tochter Kooperativa übertragen. Die Erste Bank konzentriert sich somit auf das Lebensversicherungsgeschäft und arbeitet in der Sachversicherung mit der Städtischen auch in Österreich, der Slowakei und in Kroatien zusammen. (apa/red)

20.8.2003 08:50