Sonntag, 24. August 2003

Kelly-Affäre: Brisante Papiere belasten Premier Blair!

  • "Kelly sollte mundtot gemacht werden"
  • DER LINK: 9.000 Seiten: Die Untersuchung von Lordrichter Hutton im Internet!

Wenige Tage vor seiner Anhörung vor dem Kelly- Untersuchungsausschuss ist der britische Premierminister Blair mit der Veröffentlichung umfangreichen Beweismaterials nach Einschätzung britischer Medien weiter unter Druck geraten. Aus den bisher teilweise geheimen Papieren geht nach Angaben der Sonntagszeitung "Observer" hervor, dass Blair im Streit um den Waffenexperten Kelly eine führende Rolle spielte.

Kelly habe die Regierung davor gewarnt, die umstrittene Behauptung über die Fähigkeit des Irak zum sofortigen Einsatz von Massenvernichtungswaffen in ihr Waffendossier vom vergangenen September aufzunehmen. "Kelly sollte mundtot gemacht werden", schrieb der "Independent on Sunday." Kelly hatte sich Mitte Juli das Leben genommen, nachdem sein Name als Quelle für einen umstrittenen BBC- Bericht in die Öffentlichkeit gelangt war. Im Mittelpunkt des Berichts stand der Vorwurf, die Regierung habe das Waffendossier mit der nachträglichen Einfügung "aufgebauscht", Saddam Hussein könne seine chemischen und biologischen Waffen "innerhalb von 45 Minuten" zum Einsatz bringen.

Blair soll nach der Rückkehr aus seinem Sommerurlaub auf Barbados an diesem Donnerstag vor dem richterlichen Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der Kelly-Affäre aussagen. Für Mittwoch ist Verteidigungsminister Geoff Hoon geladen. Aus den Unterlagen gehe hervor, dass Blair sich persönlich dafür eingesetzt habe, den Namen Kellys publik zu machen. Der PR-Chef von Blair, Alistair Campbell, der bereits vor dem Ausschuss erschien, soll laut BBC die umstrittene 45-Minuten-Behauptung in das Dossier geschrieben haben. Er bestreitet dies.

Der Ausschussvorsitzende, Lordrichter Brian Hutton, hatte sich zu dem ungewöhnlichen Schritt entschieden, die bisher vorgelegten 950 Dokumente mit insgesamt mehr als 9.000 Seiten "im öffentlichen Interesse" publik zu machen. Die teils strikt geheimen Notizen, Korrespondenzen, E-Mails und Telefonaufzeichnungen sind seit Samstagabend im Internet nachzulesen. (apa)

24.8.2003 13:15