Montag, 18. August 2003

Hitzewelle in Südeuropa forderte Tausende Tote

  • Frankreich, Portugal, Spanien und Italien betroffen
  • Chirac fordert bedingungslose Aufklärung der Todesfälle

Die Hitzewelle in Südeuropa hat in den vergangenen Wochen offenbar Tausende Todesopfer mehr als bisher zugegeben gefordert. Das größte französische Bestattungsunternehmen PFG schätzt, dass in den ersten drei heißen Augustwochen 10.400 mehr Menschen im Land gestorben seien als im gleichen Zeitraum der Vorjahre.

In Portugal kamen nach Angaben der Gesundheitsbehörden während der Hitzeperiode vom 27. Juli bis zum 12. August 1.316 Menschen mehr ums Leben als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. In Italien sind Presseberichten zufolge seit Juli etwa 500 Alte und Kranke an den Folgen der Hitze gestorben.

Spanien
Die Regierung in Spanien geht weiterhin nur von etwa 100 Opfern aus. Nach den Statistiken der Gemeinden und der Bestattungsunternehmen gab es allerdings auch dort während der Hitzewelle Hunderte oder Tausende von Todesfällen mehr als im Vorjahreszeitraum.

Italien
In Italien gibt es keine offiziellen Zahlen. Viele Menschen seien zu Hause gestorben, heißt es in Berichten. Gesundheitsminister Sirchia fordert, man müsse sich auf ähnliche Notfälle auch in der Zukunft einstellen. Die Gesundheitsversorgung und Betreuung der Alten zu Hause müsse verbessert werden.

Niederlande
Der Hitzewelle sind in den Niederlanden in den vergangenen drei Monaten schätzungsweise 500 bis 1.000 Menschen zum Opfer gefallen, wie das niederländische Statistikbüro am Donnerstag mitteilte. Jedes Grad über normalen Sommertemperaturen habe pro Woche vermutlich 25 kranken und schwachen Menschen das Leben gekostet, hieß es. In den im Sommer eher kühlen Niederlanden stiegen die Temperaturen seit Juni zeitweise auf 38 Grad.

Frankreich
In Frankreich hat die Kritik am Krisenmanagement während der Hitze zu einer politischen Krise geführt. Staatspräsident Jacques Chirac hat sich am Donnerstag erstmals zu den Folgen der Hitzewelle geäußert und eine bedingungslose Aufklärung der Gründe für den Tod von vermutlich mehreren Tausend Menschen versprochen. Nach einer Kabinettssitzung sagte Chirac, es werde alles getan, um die Missstände im Gesundheitssystem zu beheben. (APA/red)

18.8.2003 10:40