Kein Bundesgeld für Kinder-Plätze: Länder empört über Rauch-Kallat
- Auch Schüssel lehnt Bundesmittel für Kinderbetreuung ab
- Runder Tisch zum Thema im Herbst
In Österreich fehlen rund 47.800 Betreuungsplätze für Kinder unter 15 Jahren, davon etwa 27.000 für Schulkinder. Für 42.000 bereits extern betreute Kinder wünschten sich die Eltern ein zusätzliches, flexibles Angebot. Ministerin Rauch-Kallat hatte am Montag angekündigt, dennoch keine Bundesmittel für weitere Betreuungsplätze locker zu machen; die Länder sollten sich selbst darum kümmern. Entsprechend reagierten die Länder-Chefs empört.
Zusätzliches Geld für die Kinderbetreuung wollen weder Schüssel noch Vizekanzler Herbert Haupt (F) in die Hand nehmen. Schüssel glaubt, dass sich künftig die Unternehmen stärker in Sachen Kinderbetreuung engagieren werden. Gemeinsam mit Haupt verwies er darauf, dass die Kinderbetreuung Sache der Bundesländer und Gemeinden sei. Eine Änderung dieser Kompetenzeinteilung lehnen sowohl Bundeskanzler als auch Vizekanzler ab.
Der steirische Soziallandesrat will an dem für Herbst geplanten Runden Tisch nicht teilnehmen. Kärnten und Tirol zweifeln an den Zahlen der Studie des Sozialministeriums. Sie meinen, man müsse nur die vorhandenen Landes-Mittel umschichten und damit die Einrichtungen mit flexiblen Öffnungszeiten gesondert fördern.
Runder Tisch zur Problem-Lösung
Eine Lösung für das anstehende Probleme will Familienstaatssekretärin Ursula Haubner an einem "Runden Tisch" suchen: "Die Landeshauptleute sollen gemeinsame Lösungen finden."
"Kinderbetreuung ist kompetenzrechtlich Landessache, deshalb biete ich als Familienstaatssekretärin den Landesverantwortlichen an unter Expertenbegleitung das Ergebnis zu analysieren und die weitere Vorgehensweise zur Beseitigung der Defizite zu besprechen", so Haubner.
Derzeit würden bereits seitens des Ressorts gezielt und bedürfnisgerecht flexible und arbeitsnahe Kinderbetreuungseinrichtungen gefördert.
Basis der Zahlen Haubners ist eine von Sozialminister Herbert Haupt im Vorjahr in Auftrag gegebene Haushaltsbefragung im Rahmen der Mikrozensus-Erhebung 2002. Derzeit werden demnach österreichweit 344.000 Kinder unter 15 Jahren in Kindergärten, Krippen, Horten und Kindergruppen oder von Tagesmüttern betreut.
Verglichen mit 1995 hat sich aus Sicht der Eltern die Zufriedenheit mit den institutionellen Betreuungseinrichtungen verbessert, vor allem was das Problem der langen Ferienschließzeiten betrifft. Handlungsbedarf besteht für 15 Prozent der Eltern aber noch bei den Öffnungszeiten der besuchten Einrichtung. Sieben Prozent der Eltern sind mit anderen Aspekten (Kosten, Erreichbarkeit, Betreuungsqualität) nicht zufrieden.
Besonders hoch ist die Zufriedenheit der Eltern jener 12.000 Kinder, die von Tagesmüttern betreut werden.
(apa, red)
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