Mittwoch, 20. August 2003

Bomben-Alarm! Blindgänger unter Wr. Westbahnhof?

  • ÖBB lässt Gelände untersuchen, Gewissheit am Freitag
  • Vermutlicher Bombenfund bei Routine-Check vor Bauarbeiten

Schlummert unter einer Halle des Wiener Westbahnhofes eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg? Bei einem Routinecheck vor Bauarbeiten auf dem ÖBB-Areal wurde eine entsprechende Entdeckung gemacht. Gewissheit, ob es sich tatsächlich um eine Bombe handelt, wird es nach weiteren Untersuchungen am Freitag geben.

Vermutet wird der Blindgänger in einer Lokhalle der ÖBB am Betriebsgelände des Westbahnhofes. Das vermutliche Kriegsrelikt wurde im Zuge der "üblichen Kontrollen vor Bauarbeiten" geortet, sagte ÖBB-Sprecher Gary Pippan. Vermutlich am Freitag werde eine Spezialfirma den rund einen Meter langen und etwa 50 Zentimeter dicken Gegenstand freigelegt haben. Den Abmessungen nach könnte es sich um eine 250-Kilo-Bombe handeln, so Pippan. Möglich sei aber auch, dass die Ortung mit einem Magnetmesssystem auf einen alten Lok-Schornstein gestoßen ist.

Wie funktionieren die Checks?
Zunächst überprüfen ÖBB-Experten anhand von alten Luftbildaufnahmen mit Bombenkratern das Gelände auf mögliche Kriegsrelikte. Erhärtet sich der Verdacht, dass noch ein Blindgänger in der Erde ist, kommt ein Magnetmesssystem zum Einsatz. Damit kann bereits die Größe und Tiefe des Gegenstandes bestimmt werden. In Abstimmung mit dem Entminungsdienst legt eine Spezialfirma das geortete Objekt frei. "Dabei muss ganz vorsichtig und nahezu erschütterungsfrei gearbeitet werden", sagte Pippan. Die letzten Erdschichten werden mit den Händen entfernt. Im Fall der Lokhalle müssen sich die Spezialisten in rund vier Meter Tiefe vorarbeiten.

Sobald der Metallkörper freigelegt ist, kommen die Profis vom Innenministerium zum Zug. "Zwischen 30 Minuten und vier Stunden dauert das Entschärfen", schätzte Pippan. In dieser Zeit muss natürlich auch der Zugverkehr eingestellt werden. "Wir haben dafür aber schon die Pläne griffbereit", hieß es. Hütteldorf wird vorübergehend zum Endpunkt der Westbahn, dann wird ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.

Blindgänger in Österreich eher selten
In Ostösterreich sind Funde von Blindgängern auf dem Bahngelände eher selten, so Pippan. Bei den zahlreichen Umbauten im Großraum Wien in den vergangenen Jahren seien keine Kriegsrelikte gefunden worden. Anders sieht es etwa im Bereich Salzburg aus: Um die Verbindung der deutschen Wehrmacht nach Italien zu zerstören, wurden laut ÖBB dort wesentlich mehr Bomben abgeworfen. (APA/red)

20.8.2003 11:10