Mittwoch, 20. August 2003

Ex-Vizekanzler und VP-Chef Withalm verstorben

  • Zwei Jahre Vizekanzler unter Josef Klaus, dann ÖVP-Chef

Der ehemalige ÖVP-Vizekanzler Hermann Withalm ist tot. Der gebürtige Weinviertler verstarb in der Nacht auf Mittwoch 91-jährig. Mit Withalm verliert die ÖVP eine ihrer herausragenden Persönlichkeiten. Der als "Eiserner Hermann" bekannt gewordene Politiker war für die Volkspartei unter anderem als Staatssekretär im Finanzministerium, Klubobmann, Generalsekretär und als Interimsparteichef tätig.

Er war "vielleicht nicht der beliebteste, er ist aber jedenfalls einer der angesehensten Politiker Österreichs", würdigte Bundeskanzler ÖVP-Obmann Schüssel Withalm im Vorjahr anlässlich dessen 90. Geburtstag. Auf Beliebtheit und vordergründige Popularität sei es ihm nicht angekommen - "sein Bestreben war, in der Sache etwas weiterzubringen, denn das allein nützt den Menschen und dem Gemeinwohl".

Withalm wurde am 21. April 1912 in Gaweinstal im Weinviertel geboren. Nach dem Jusstudium wurde er Notariatskandidat in Poysdorf. 1947 erfolgte seine Berufung zum Notar in Wolkersdorf. 1952 wurde Withalm Bezirksparteiobmann. 1953 zog er in den Nationalrat ein. Seine geschliffenen Wortgefechte, etwa mit Bruno Pittermann, zählen zu rhetorischen Glanzlichtern in den Annalen des Hohen Hauses.

Erster politischer Höhepunkt in seiner Karriere war die Berufung zum Staatssekretär im Finanzministerium unter Julius Raab im Jahr 1956 (bis 1959). 1960 wurde er zum Generalsekretär der ÖVP gewählt. Schon 1966 war Withalm auch Parlamentsklubobmann seiner Fraktion geworden, 1968 berief ihn Josef Klaus als Vizekanzler in sein Kabinett. Als sich dieser nach der Wahlniederlage vom März 1970 schlagartig aus der Politik zurückzog, wurde Withalm Bundesparteiobmann der ÖVP - allerdings nur gut ein Jahr. Im Juni 1971 trat Withalm nicht zur Wiederwahl an.

1974 sollte er von der ÖVP als Präsidentschaftskandidat aufgestellt werden. In letzter Minute wurde er aber "ausgebootet" und Alois Lugger trat gegen Rudolf Kirchschläger an. Eine Entscheidung, die Withalm nahe ging und die er auch viele Jahre später noch als schwerste Niederlage seiner politischen Karriere ansah. Seine letzte politische Funktion nahm er im Seniorenbund wahr, dessen Obmannschaft er 1976 übernahm und bis November 1988 bekleidete. (APA)

20.8.2003 10:32