Montag, 18. August 2003

Gefährliche Hormone? Krebshilfe warnt vor Ersatz nach Menopause

  • Laut Studie erhöhtes Brustkrebsrisiko
  • Gynäkologe Huber: "Weit überzogen"

Paukenschlag in Sachen Mammakarzinom: Die Österreichische Krebshilfe warnt vehement vor dem höheren Brustkrebs- und Brustkrebssterberisiko in Folge eines Hormonersatzes nach der Menopause. Österreichs Ärzte sollten alle Frauen mit einer solchen Substitution darüber aufklären.

Es sollte versucht werden, den Hormonersatz zu beenden, stellte die Organisation am Montag fest. Der Hintergrund: In der britischen Medizin-Fachzeitschrifte "The Lancet" wurde am 9. Augsut die weltweit größte Untersuchung zur Frage der Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Formen einer Hormonersatztherapie im Wechsel und der Anzahl an Brustkrebserkrankungsfällen und auch der Sterblichkeit an Brustkrebs veröffentlicht.

Dabei wurden von 1996 bis 2001 insgesamt 1.084.110 Frauen zwischen 50 und 64 Jahren in Großbritannien im Rahmen des nationalen Brustkrebsscreeningprogrammes befragt, welche Hormonersatztherapie sie durchführen, wie lange und in welcher Dosierung. Die Österreichische Krebshilfe: "Bei dieser Untersuchung konnte nun nach einer Beobachtungszeit von 2,6 Jahren gezeigt werden, dass sich das Risiko der Brustkrebserkrankung für jene Frauen, die unter einer Hormonersatztherapie stehen um insgesamt 66 Prozent gegenüber Frauen, die nie eine Hormonersatztherapie genommen haben, erhöht. Die gute Nachricht dieser Studie lautet, dass für Frauen, welche die Hormonersatztherapie abgesetzt haben, das Risiko nicht mehr erhöht ist." - Ein Absetzen führt also recht schnell zu einer Verringerung der Gefährdung.

Gynäkologe Huber wiegelt ab
Der Wiener Gynäkologe und Endokrinologe Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber hält die Empfehlungen der Österreichischen Krebshilfe für "weit überzogen". Überdies zweifelte der "Hormonpapst" im APA-Gespräch die Übertragbarkeit der diesem Rat zu Grunde liegenden britischen Studie auf Österreich an.

In Großbritannien würden Hormonersatztherapien und ebenfalls solche Studien wie die jüngst im "Lancet" veröffentlichte nicht von Ärzten, sondern von Krankenschwestern durchgeführt, so Huber: "Vom 'niedrigen' Personal und völlig undifferenziert. Davor habe ich schon früher gewarnt." Anders als in Österreich oder Deutschland würden solche Behandlungen nicht "maßgeschneidert" erfolgen. Das Problem sei nicht die Substanz an sich, sondern die Art der Anwendung. "Es handelt sich daher bei solchen Untersuchungen um Therapiestudien, nicht um Substitutionsstudien", sagte Huber. Letztere würden gerade erst durchgeführt, die Ergebnisse lägen aber noch nicht vor.

(apa/red)

18.8.2003 15:38