Montag, 18. August 2003

Archäologen jubeln: Römer-Fresken in Salzburg entdeckt

  • Kunstwerke aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert

Die Archäologen des Salzburger Museums Carolino Augusteum (SMCA) haben in der Nord-West-Ecke des Innenhofes der Neuen Residenz einen einzigartigen, historisch bemerkenswerten Fund gemacht: Eine 6,50 m lange und 1,20 bis 1,40 Meter hohe römische, mit Fresken bemalte Mauer aus den Jahren um 100 n. Chr.

Die Fresken zeigen farbige, geometrische Muster, die in vergleichbarer Form in Pompeji zu sehen sind. Nördlich der Alpen gibt es keine ähnlichen Wandbemalungen aus römischer Zeit auf solch einer großen Fläche. Die Ausgrabung wurde erst jetzt gemacht, da die genau darüber liegenden Zugänge zur neuen Residenz lange benützbar bleiben mussten. Erst jetzt wurde auch dieser Teil des Hofes aufgegraben, um die Leitungen einbauen zu können.

SMCA-Direktor Erich Marx bezeichnete diesen Fund am Montag Mittag als sensationell. Marx hat sofort veranlasst, dass die Fresken von einem Restauratorenteam gesichert und abgenommen werden. Damit ist gewährleistet, dass keine Verzögerung der Umbauarbeiten in der neuen Residenz eintreten. Dort soll ja um 20 Mio. Euro das neue SMCA entstehen. Die Restauratoren beginnen schon am Nachmittag mit ihrer Arbeit, die bis Mitte nächster Woche abgeschlossen sein soll.

Die Wand ist Teil einer noblen römischen Villa und begrenzte die zur Straße hin vorgelagerten Geschäfte und die Bronze-Gießerei vom eigentlichen Wohnbereich. Jetzt soll das Fresko abgetragen, restauriert und vermutlich im Bürgerspital wieder aufgebaut werden. Landeskonservator und Denkmalschützer Walter Schlegel sagte, "blutenden Herzens und mit Tränen in den Augen stimmen wir dem Abriss zu, es bleibt uns halt nichts anderes übrig."

(apa)

18.8.2003 15:23