Die Hitze-Rekorde: Österreich kocht
- Der Klimawandel verwandelt auch Österreich in eine Tropenzone

In der Steiermark wachsen Oliven, die Wachau ist für ihre saftigen Orangen bekannt, und in den Tiroler Wäldern finden sich die ersten Palmen. Die Seefestspiele von Mörbisch gibt es nicht mehr – weil der Neusiedler See ausgetrocknet ist. Und in Kärnten ersetzt das Dromedar den Haflinger. Weiße Weihnachten sind ohnehin Schnee von gestern.
Österreich in 50 Jahren – es herrschen tropische Temperaturen, Minusgrade gehören der Vergangenheit an. Nur eine Vision? – Immer mehr Wetterforscher schlagen wegen der weltweiten Klimaerwärmung Alarm und malen abenteuerliche Zukunftsszenarien.
Tropenzone Europa. Giampiero Maracchi, Leiter des italienischen Wetterforschungszentrums in Florenz, ist überzeugt, dass sich der meteorologische Äquator um 20 Breitengrade – das entspricht 2.600 Kilometern – nach Norden verschoben hat. Der renommierte Wissenschaftler: „Der Tropengürtel erstreckt sich jetzt bis Italien, Spanien und Frankreich.“ Tatsache ist, dass es in Teilen Afrikas derzeit weit kühler als in Europa ist. Mojib Latif, Klimaforscher vom Kieler Institut für Meereskunde, kommt zum Schluss, dass sich Mitteleuropäer an Sommertemperaturen von konstant über 30 Grad gewöhnen müssen: „Was wir jetzt erleben, ist nur ein erster Vorgeschmack auf den Klimawandel in den kommenden Jahrzehnten. Das mitteleuropäische Wetter gleicht sich amerikanischen Verhältnissen an. Winter und Sommer werden stärkere Extreme aufweisen als bisher.“
Österreich im Hitzefieber. Die Österreicher haben sich nach anfänglichen Akklimatisierungsschwierigkeiten mit der Hitze arrangiert. Absoluter „Hot Spot“ war bis dato Stockerau: Am
4. August 2003 wurden dort 36,4 Grad gemessen – Österreich-Rekord im Jahr 2003. An zweiter Stelle im Hitzeranking liegt Langenlebarn mit 36,2 Grad, dicht gefolgt von St. Pölten, Seibersdorf und Wien-Donaufeld (jeweils 36 °C).
Auch die Wiener City ist unter den Top 10 vertreten: Am Stephansplatz stieg das Thermometer bereits im Juli auf 35,8 Grad an – freilich wie alle Werte im Schatten gemessen. Daran hat sich in den letzten Wochen wenig geändert. Wie Meteorologen bestätigen, ist die gefühlte Temperatur – die Wahrnehmung der Bewohner bei direkter Sonneneinstrahlung – um vieles höher. Ein „Wärmetest“ am Stephansplatz, durchgeführt am Montag dieser Woche: Ein der prallen Hitze ausgesetztes Thermometer klettert binnen Sekunden auf 52,4 Grad.
An der Rekordhitze wird sich so schnell nichts ändern. Ernest Rudel, Chefklimatologe der Hohen Warte in Wien: „Es wird im September überdurchschnittlich heiß und trocken bleiben. Erst im Oktober und November wird sich die Temperatur normalisieren.“
Ozon-Sommer. Die große Hitze bringt auch eine „alte“ Gefahr wieder in die Schlagzeilen. In Österreich wurde in diesem Sommer bereits viermal die Ozonalarm-Schwelle erreicht – und das bei drastisch nach oben gesetzten Grenzwerten. Die Informationsschwelle, bei deren Erreichen die Bevölkerung über erhöhte Ozonwerte in der Atemluft informiert werden muss, wurde im Rekordsommer 2003 bislang bereits 140 (!) Mal überschritten. Heinz Högelsberger, Ozonexperte von Global 2000: „Die Ozonwerte steigen kontinuierlich an, aber politisch wird nichts dagegen unternommen. Es müssten längst Fahrverbote ausgesprochen werden.“
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