Dienstag, 12. August 2003

Polit-Terminator: Arnie als Gouverneur

  • Schwarzenegger erobert die Politik

Mit welchem Programm er regieren will. Was Denker wie Elfriede Jelinek von Schwarzenegger halten.
Wunder Arnie: Wie Schwarzenegger vom armen Österreicher zum Weltstar und Politiker wurde. Was er denkt.

Freitag der Vorwoche im „Harry L. Hufford Building“, einem schlichten Verwaltungsgebäude im Los-Angeles-Bezirk Norwalk: Tausende Fans, Hunderte TV-Teams und Horden von Securityleuten warten auf einen Mann. Dann die „Erscheinung“: Arnold Schwarzenegger, 56, kommt, um die Papiere zur Anmeldung seiner Kandidatur für das Amt des Gouverneurs von Kalifornien abzuliefern. Hand in Hand mit Maria Shriver, 47, seiner Frau, NBC-TV-Journalistin und Nichte des 1963 ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy. „Sind Sie aufgeregt?“, fragt jene pummelige Beamtin mit dichten Locken und Nickelbrille, die „Arnies“ Kandidatur aufnimmt.

Dann der erste improvisierte Wahlkampfauftritt: Niemanden lässt er beim Handshake aus, er ist charmant, lächelt strahlend, dazwischen Antworten auf ein paar zugerufene Reporterfragen.

Gute Chancen. Ersten Umfragen zufolge hat Schwarzenegger tatsächlich alle Chancen, bei den so genannten „Recall“-Wahlen am 7. Oktober – einer Volksabstimmung zur Absetzung des amtierenden Gouverneurs Gray Davis und gleichzeitigen Wahl seines Nachfolgers – zu triumphieren:

  • In einer Time/CNN-Umfrage führt Arnold mit 25 Prozent der Stimmen das Feld der 194 Kandidaten an – mit zehn Prozent deutlich vor Cruz Bustamente, dem nun einzigen demokratischen Gegenkandidaten, falls Davis abberufen wird. Dazu ist der Wahlkampf mit weniger als 60 Tagen kurz. „Sollte Schwarzenegger keine schweren Fehler begehen“, so Shaun Bowler, Politologe an der University of California Riverside, „könnte ihn allein sein hoher Bekanntheitsgrad über die Ziellinie bringen.“

  • Es wird erwartet, dass mehr als die Hälfte der Kalifornier Gray Davis wegen Wirtschafts-, Energie- und 38-Milliarden Dollar-Budgetloch-Misere aus dem Amt jagen wollen. „Selbst bei den Demokraten ist er unbeliebt“, sagt Bowler zu NEWS: „Gegen Davis wirkte selbst Al Gore charismatisch.“

    Der „Recall“ auf Basis eines Gesetzes, das in Kalifornien seit
    92 Jahren eine Art Dornröschenschlaf führte, wurde vom erzkonservativen Autoalarmmilliardär Darrell Issa mit 2,96 Dollarmillionen finanziert und fuhr 1,6 Millionen Unterschriften ein. Doch der Masterplan ging nicht auf: Einer Time/CNN-Umfrage zufolge würde der liberale Arnold Schwarzenegger einen glatten Start-Ziel-Sieg landen. Er würde 25 Prozent aller Stimmen auf sich vereinen.

    Mit seiner Kandidatur musste Arnie auch gleich seine Vermögensverhältnisse offen legen: Umfangreicher Immobilienbesitz und ein recht konservatives Aktienportfolio (Pepsi, Coca-Cola, Wal-Mart) weisen ihn als vorsichtigen Investor aus. Insgesamt soll sich Arnies Vermögen auf 200 Millionen Dollar belaufen. Allein 2001 überwies Time-Warner ein Schauspielsalär von 22,4 Millionen Dollar auf sein Konto.
    Die Kriegskasse ist prall gefüllt. Schwarzenegger ist nicht wie andere auf die Zuwendungen von Lobbys und Interessensgruppen angewiesen.

    Spannend wie im Kino. Dennoch war es eine private Entscheidung gewesen. Nämlich jene, seine Frau Maria von der Kandidatur zu überzeugen: Als geborene Kennedy ist sie mit dem Schicksal von Politikerfrauen bestens vertraut. Der Amtssitz des künftigen Gouverneurs, die verstaubte Beamtenstadt Sacramento, ist immerhin 90 Flugminuten von ihrem Zwei-Hektar-Villenareal im wohltemperierten L.-A.-Stadtteil Pacific Palisades entfernt.

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    12.8.2003 11:53