Sonntag, 17. August 2003

1. Entscheidung: AUA-Piloten streikten für 3 Stunden

  • Tyrolean Airways beteilitgt sich nicht - Lauda Air erklärt sich solidarisch
  • AUA-Marketingvorstand kündigt Gesprächsbereitschaft an

Nach dem erneuten Scheitern der Verhandlungen über Kostensenkungen und Sparmaßnahmen trat das Bordpersonal der Austrian Airlines (AUA) am Freitag nach einem entsprechenden Betriebsversammlungs-Beschluss von 17:45 bis 20:45 Uhr in einen dreistündigen Streik auf Linienflügen. Charter- und Wochenendflüge waren von den Protestmaßnahmen ausgenommen. Das befürchtete Chaos am Flughafen blieb aus.

Das Bordpersonal der Tyrolean Airways beteiligt sich nicht am Streik, ebenso wenig wie jenes der Lauda Air, das sich jedoch mit dem AUA-Bordpersonal solidarisch erklärt. Wie aus Gewerkschaftskreisen zu vernehmen war, wird es am Wochenende keine Streiks geben. Weitere Protestnahmen würden frühzeitig angekündigt.

Auf Grund des Streiks gab es einige Verspätungen, Umbuchungen und Flugzusammenlegungen. Der Großteil der Passagiere konnte aber dennoch die gewünschten Destinationen erreichen, da die AUA mehrere Flugzeuge aus dem Ausland angemietet hatte. Ohne Gegenmaßnahmen würde die AUA ein Streiktag rund 1 Mio. Euro kosten.

Marketingvorstand gibt sich gesprächsbereit
Der Marketingvorstand der AUA, Josef Burger, hat am Freitag die Gesprächsbereitschaft des AUA-Vorstands über künftige Sparmaßnahmen im AUA-Flugbetrieb bekräftigt. Der Vorstand wünsche sich die Wiederaufnahme der Verhandlungen in der nächsten Woche unter der Schirmherrschaft von ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch und Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl, sagte Burger am Nachmittag zur APA.

Die von Betriebsrat und Gewerkschaft gewünschten Verhandlungen über einen einheitlichen Konzern-Kollektivvertrag lehne der Vorstand allerdings weiterhin ab, da ein solcher ein "untaugliches Mittel" für die Kosteneinsparungsziele sei, so Burger.

ÖVP, FPÖ und Gorbach geißeln Piloten
Die Wiener FPÖ hat sich über die Streiks "empört" gezeigt. Mit derartigen Streikaktionen werde vor allem dem Wirtschaftsstandort Wien massiv geschadet. Auch die geplante Übernahme des Flughafens Preßburg durch den Flughafen Wien werde gefährdet. Der AUA-Vorstand müsse hart bleiben und "notfalls die unverantwortlichen Piloten aussperren". Die ÖVP attestiert der AUA-Belegschaft die Gefährdung "hunderter" Jobs.

"Die Streiks sind unverantwortlich. Sie schaden dem Image des Unternehmens und dem Wirtschaftsstandort Österreich, mir fehlt für die Haltung der Gewerkschaft Handel, Transport und Verkehr jedes Verständnis, wenn sie die Piloten der AUA in einen sinnlosen Arbeitskampf hineintreiben", so der zuständige Minister Gorbach.

Sörensen: Gewerkschafter verstehen nicht
Laut Vorstands-Chef schätzen Gewerkschafter die Lage in der Flugbranche falsch ein. "Die Ausgangslage war mit unseren hohen Schulden nicht wirklich profitabel." Und: "Wer sich nicht an dieses Umfeld anpasst, wird ein großes Problem haben." Dass Streiker gekündigt werden können, will er nicht als Drohung verstanden wissen - eher als "Information".

Die AUA kostet ein Streiktag - ohne Gegenmaßnahmen - rund 1 Mio. Euro. Um den Flugbetrieb trotz der Streiks so gut wie möglich aufrechterhalten zu können, hat die AUA für heute Nachmittag/Abend mehrere Flugzeuge aus dem Ausland angemietet. (apa/red)

17.8.2003 12:17