Lufthansa-Chef Mayrhuber: Nicht beim Kunden sparen
- Billigflieger drücken auf Preise, aber nehmen etablierten Airlines kaum Kunden weg
- Neo-Chef streut Rosen für die AUA, Kritik am Flughafen Wien
Der neue Chef der Lufthansa, der gebürtige Österreicher Wolfgang Mayrhuber, will den eingeleiteten Steigflug bei der Lufthansa behutsam fortsetzen. Er hofft auf eine Verbesserung des gesamtwirtschaftlichen Umfeldes und der Rahmenbedingungen in der Luftfahrt. Damit sollten auch die Einheitserträge (yields) wieder steigen, die zuletzt stark unter Druck geraten sind, nicht zuletzt wegen der auf den Markt drängenden Billigfluggesellschaften.
Mit neuen Produkten und Kosteneinsparungen will die Lufthansa von der weiteren Entwicklung profitieren. "Beim Kunden zu sparen ist das letzte, was man tun darf", sagte Mayrhuber. Deshalb investiere die Lufthansa derzeit in Internet an Bord, neue Sitze in der Langstrecken-Business Class und WLAN-Anschlüsse in den Lounges. Das Produkt müsse kundenorientiert ausgerichtet sein.
Die zunehmende Konkurrenz der Billigflieger ("low cost carrier") nehme etablierten Netzwerkgesellschaften wie der Lufthansa oder der AUA aber kaum Passagiere weg, vielmehr hätten die Günstigflieger neue Kundensegmente erschlossen. Die Überschneidungen seien minimal, "das ist das Schwarze unter den Fingernägeln", sagte Mayrhuber.
Vorbild Billig-Flieger
Und die etablierten Airlines könnten noch einiges von den Billigfliegern lernen: "Die kriegen noch Geld vom Flughafen, damit sie hinfliegen, während wir dafür bezahlen müssen", erläuterte Mayrhuber. Auf Dauer sieht er eher ein "Sowohl-als-auch" als ein "Entweder-oder".
Ähnliches gilt für Mayrhuber auch für den neu errichteten Flughafen München, den die Lufthansa neben Frankfurt als gleichberechtigte Drehscheibe ("hub") betrachtet. "Je stärker sich die Lufthansa und die Allianz entwickeln, desto besser ist es auch für die AUA und den Wiener Flughafen", meint der Lufthansa-Chef. Der Wiener Flughafen nutze seine Chancen als Tor nach Mittel- und Osteuropa sehr gut. Noch besser könnte er allerdings sein, wenn er das "kostengünstiger produzieren würde", übt Mayrhuber Kritik am Gebührenniveau in Wien-Schwechat.
Wachstum in Asien
Die EU-Erweiterung, Single European Sky und die Überwindung von Infrastrukturengpässen zählen für Mayrhuber zu den größten Herausforderungen der Zukunft. Insbesondere in Asien sieht er noch enormes Wachstum für die Luftfahrt: "Derzeit entfallen auf Europa und Nordamerika mit 10 Prozent der Weltbevölkerung 70 Prozent des Weltluftverkehrs." Wenn allein die Chinesen eines Tages ähnlich oft fliegen wie die Österreicher, würde das eine Verdopplung des Weltluftverkehrs von heute bedeuten.
Keine Einmischung in AUA-Angelegenheiten
Nur zurückhaltend äußerte sich Mayrhuber auf die aktuelle Situation in der einheimischen AUA-Gruppe, wo die AUA-Piloten Streiks angekündigt haben: Jedes Unternehmen müsse in Zeiten des Umbruchs auf Beibehaltung der Wettbewerbsfähigkeit achten. Denn: "Nur profitable Arbeitsplätze sind sichere Arbeitsplätze". Die wirtschaftliche Situation der Luftfahrt habe sich grundlegend geändert.
Der AUA streute der gebürtige Österreicher Rosen: Sie bringe wertvolle Erfahrungen in das internationale Luftfahrtbündnis Star Alliance ein. "Gemessen an ihrer Betriebsgröße nimmt die AUA eine herausragende Position in der Star Alliance ein", so Mayrhuber. (apa/red)
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