Donnerstag, 14. August 2003

FORMAT: Ein netter Typ hat die Lufthansa fest im Griff

  • Neo-Boss Wolfgang Mayrhuber gilt als umgänglich und beinhart
  • Übernahme der finanziell angeschlagenen Swiss im September?

Wolfgang Mayrhuber, Neovorstandschef der deutschen Lufthansa AG, hebt ab. Mitte Juni übernahm Mayrhuber von Jürgen Weber, dem dienstältesten CEO der Airlinebranche, den Steuerknüppel des Kranichs und ist nun oberster Chefpilot von 90.000 Lufthanseaten. Just zum Zeitpunkt, zu dem die Luftfahrt die stärksten Turbulenzen durchfliegt.

Neben Terrorangst und Seuchenplage muss sich Mayrhuber nun auch noch mit Billigairlines um Sitzplätze matchen. "Dieses Jahr wird sehr schwierig. Wir werden aber alles tun, um gestärkt aus der Krise hervorzugehen", zeigt sich Mayrhuber trotz aller Unbill kämpferisch.

Bereits im ersten Quartal hat die Lufthansa einen operativen Verlust von 415 Millionen Euro eingeflogen. Der Umsatz fiel trotz gestiegener Kundenzahl um 6,3 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Nach 33 Jahren bei der Lufthansa bringt den gelernten Maschinenbauer aber nichts so leicht aus dem Gleichgewicht.

Steile Karriere
1970 begann er als Triebwerksingenieur bei der Lufthansa und stieg zum Generalbevollmächtigen der Technik auf. Anfang der 90er, als die Lufthansa am Rand des Bankrotts stand, berief Weber den gebürtigen Steyrer Mayrhuber zum Chef des Sanierungsteams. Der erledigte seinen Job "fair, aber mit Härte", wie ihn Kollegen beschreiben. Zum Dank wurde Mayrhuber Vorstandsboss der Technik und reüssierte abermals. Viele wunderten sich über den witzigen Zeitgenossen Mayrhuber, der so gar nicht germanisch wirkt. Er ist eben Österreicher.

Übernahme der Swiss schon im September
Den nächsten großen Coup könnte Mayerhofer schon im September landen. Bis dahin muss die marode Schweizer Airline klären (500 Millionen Franken Finanzbedarf), ob sie sich unter die Fittiche der Lufthansa begibt oder Mitglied des Flugbündnisses Oneworld wird. In Finanzkreisen heißt es, dass die Lufthansa eine Minderheitsbeteiligung von 49,9 Prozent in Höhe von 300 Millionen Schweizer Franken an der Swiss im Auge hat - mit Option auf die Mehrheit.

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14.8.2003 08:57