Samstag, 16. August 2003

Nach Wüsten-Drama: Geiseln weisen Vorwürfe zurück

  • War die Gruppe leichtsinnig? "Auf keinen Fall!"
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Nach ihrer Ankunft mussten sich die Ex-Sahara-Geiseln massiven Vorwürfen stellen. Mit der Reise nach Algerien hätten sie sich leichtsinnig selbst in Gefahr begeben. "Auf keinen Fall", sagte der 46-jährige Rainer Bracht in den ARD- "Tagesthemen". Ihr Reisegebiet, der Süden Algeriens, habe "als sicheres Gebiet" gegolten.

Entführungen, wie er und seine 14 Mitgefangenen sie erlebt hatten, habe es dort früher nie gegeben. Auch das Außenministerium habe lediglich vor saharatypischen Gefahren wie Verirren oder Verdursten gewarnt.

Der Österreicher Ingo Bleckmann verwahrte sich ebenfalls gegen den Vorwurf, die Touristen seien für ihre Gefangennahme durch Leichtsinn mitverantwortlich. Bleckmann gehört zu jenen 17 Entführten, die bereits Mitte Mai befreit worden waren. "Wir haben uns vorher bei den Botschaften erkundigt, wir haben Länderinformationen über Internet eingeholt, und wir sind extra über Tunesien in die Mitte Algeriens eingereist, weil dort noch nie etwas passiert ist", sagte Bleckmann dem Hörfunksender MDR Info.

Zuvor waren Forderungen laut geworden, die Ex-Geiseln sollten an den Kosten ihrer Befreiung beteiligt werden. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Markus Meckel sagte der "Rheinischen Post": "Wer sich selbstverantwortlich in Risiken begibt, sollte auch finanziell zur Verantwortung gezogen werden." Der außenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Ludger Volmer, hält diese Diskussion dagegen für "völlig überflüssig".

Nach sechs Monaten Geiselhaft in der Sahara waren die neun Deutschen, vier Schweizer und ein Niederländer am 20. August wohlbehalten nach Deutschland zurückgekehrt. Der Staatssekretär im deutschen Außenministerium, Jürgen Chrobog, sprach von der "wohl langwierigsten und aufwendigsten Rettungsaktion deutscher Touristen im Ausland, die wir bisher durchgeführt haben". (APA/red)

16.8.2003 07:30