Freitag, 15. August 2003

Verteidigungsminister Hoon übernimmt Verantwortung

  • Akzeptiert "Sündenbock"-Rolle in Affäre um Kelly-Tod

Der britische Verteidigungsminister Hoon will nach einem Zeitungsbericht die Verantwortung für die Kelly-Affäre übernehmen. Wie der "Sunday Telegraph" am Sonntag schrieb, hat der Minister zu Kollegen telefonisch geäußert, er akzeptiere seine Rolle als "Sündenbock".

Vor dem Untersuchungsausschuss von Lordrichter Hutton zu den näheren Umständen des Selbstmordes von David Kelly werde sich Hoon zwar gegen alle Vorwürfe verteidigen, hieß es in dem Bericht. Privat jedoch habe er eingeräumt, dass seine Karriere als Minister zu Ende sei. Ein Sprecher des Ministeriums wollte diese Aussagen nach Angaben der Zeitung nicht kommentieren. Alles im Zusammenhang mit Kellys Tod sei Gegenstand der Untersuchung durch Hutton, habe er gesagt.

Seit Beginn der Affäre um den Waffenexperten Kelly, der im Verteidigungsministerium gearbeitet hatte, steht Hoon in der Kritik. Seit Wochen wird ein Rücktritt des Ministers nicht mehr ausgeschlossen. Hoon soll ausdrücklich darauf gedrungen haben, Kellys Namen öffentlich zu machen.

Auch Premierminister Blair soll interveniert haben, um ein weiteres "Verhör" Kellys durch seine Vorgesetzten über die Vorgänge zu verlangen. Blair hat bisher jedoch jede Verantwortung für das Bekanntwerden von Kelly Identität zurückgewiesen.

Kelly war am 18. Juli nahe seines Wohnortes bei Oxford mit aufgeschnittener Pulsader tot aufgefunden worden. Der frühere UNO- Waffeninspektor im Irak und Berater im Londoner Verteidigungsministerium war der wichtigste Informant für einen Bericht der Rundfunkanstalt BBC, wonach die Londoner Regierung mit fragwürdigen Geheimdienstinformationen die Gefahr irakischer Massenvernichtungswaffen aufgebauscht hat.

(apa)

15.8.2003 13:17