Montag, 11. August 2003

Tod eines Waffen-Experten: BBC-Journalist belastet Blair-Berater!

  • Irak-Dossier "sexier" gemacht: Reporter hatte nach Treffen mit Kelly Sache ins Rollen gebracht

Hat die britische Regierung den Irak-Berater David Kelly in den Selbstmord getrieben? Ermittlungsrichter Hutton befragte am Dienstag den BBC-Journalisten Andrew Gilligan. Der zitierte aus Notizen, die er sich während eines Gespräches mit Kelly am 22. Mai gemacht hatte. Und die Mitschrift belastet einen Berater von Premier Blair: Kelly beschuldigte damals Alistair Campbell, ein Irak-Dossier über Massenvernichtungswaffen wenige Tage vor seiner Veröffentlichung "verändert" zu haben, um es "sexier" zu machen.

Kelly habe ihm gesagt, dass die Behauptung der britischen Regierung, wonach der Irak innerhalb von einer Dreiviertelstunde Massenvernichtungswaffen einsetzen könne, nur auf "einer einzigen Quelle" basiere und deshalb nicht ganz zuverlässig sei. Der Journalist wollte sich Kellys Informationen danach von anderer Seite bestätigen lassen, wie er aussagte. Dabei habe er erfahren, dass die Regierungsakte zum Irak mit der umstrittenen Zeitangabe "eine Woche vor ihrer Veröffentlichung auf Initiative von (Kommunikationschef) Alastair Campbell abgeändert" worden sei.

Gilligan ist eine Schlüsselfigur in der Affäre um Kellys Tod. Er hatte sich bei seinem Bericht über angeblich aufgebauschte Geheimdienstinformationen zur Rechtfertigung des Irak-Krieges Ende Mai in erster Linie auf Kelly als Informanten gestützt. Der Wissenschaftler wurde vor drei Wochen mit aufgeschnittener Pulsader tot aufgefunden. Der britischen Regierung wird vorgeworfen, Kelly in den Selbstmord getrieben zu haben, weil er ihr Vorgehen im Irak-Krieg kritisiert hatte. (APA)

11.8.2003 08:13