Samstag, 16. August 2003

"profil": Broukal: "FPÖ hat uns ins Leere laufen lassen"

  • SP-Broukal für neue Strategie gegenüber FPÖ
  • Haider-Ausgrenzung war aber Fehler

In einem Interview in der neuen Augabe des Nachrichtenmagazins "profil" fordert SPÖ-Nationalrat und Ex-ORF-Star Josef Broukal eine neue Strategie der SPÖ im Verhältnis zur FPÖ. Der Grund: Das Verhalten der Blauen während der Sondersitzung zur Steuerreform im Parlament, als die FPÖ sich einmal mehr hinter die ÖVP stellte.

"Die FPÖ hat ihre Taktik geändert, hat uns ins Leere laufen lassen und spielt jetzt das Thema ohne uns allein weiter. Selbst Haider sendet nicht mehr, wie in den Monaten vorher, das Signal aus: Passt auf, liebe ÖVP, wenn ihr dies oder das nicht tut, machen wir gemeinsame Sache mit der SPÖ".

Neue Ideen
"Wir müssen uns etwas Neues einfallen lassen", fordert Broukal, der Gusenbauers Annäherung an die FPÖ aber insgesamt gutheißt. "Ein halbes Jahr war unsere Strategie recht erfolgreich: Mit Haider als Verbündeten einen Keil in die Regierung treiben und deren Politik in unsere Richtung beeinflussen." Gusenbauer sei es gelungen, die FPÖ so vorzuführen, "dass sie nicht wirklich für die kleinen Leute da ist. Sie redet nur groß, aber dann fällt sie um und stimmt so ab wie die ÖVP".

Aus für Ausgrenzung
Broukal verteidigt Gusenbauers Abkehr von der Ausgrenzungspolitik gegenüber Jörg Haider. "Wenn man ihn dauernd angreift oder wie einen Unberührbarenn behandelt, verärgert man jene Wähler, die wir gerne zurückholen wollen". Die SPÖ hätte sich "viel Leid" ersparen können, "wenn sie früher zur berechtigten Kritik Haiders an diversen Missständen gesagt hätte: Da hat er recht, das müssen wir anders machen, anstatt ihn in Bausch und Bogen abzulehnen".

Das gemeinsame Spargelessen von Gusenbauer und Haider kritisiert Broukal. "Mit jemanden essen oder trinken hatte immer schon eine Bedeutung, die über bloßes miteinander Reden hinausgeht."

Knappes Stimmungsbild
Laut einer neuen "profil"-Umfrage sind 42 Prozent der Österreicher für eine fallweise Zusammenarbeit zwischen SPÖ und FPÖ, 43 Prozent sind dagegen.
(profil, red)

16.8.2003 08:12